Fundraising

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Foto: Maximiljan Reth


Geld ohne Gegenleistung

Wie finanziere ich mein Projekt? Wer hilft mir? Und ist die Welt noch zu retten? “Fundraising” lautete der Titel eines Workshop auf der Berliner Pfingstakademie. Ich konnte so einiges lernen.

Von Sophia Müller


Wie komme ich an Geld?! Das wollen die meisten wissen. Wer Geld haben will, muss entweder arbeiten, etwas verkaufen, oder spendable Bekannte haben. Am liebsten das Letztere, gerne, gerne! Weil das aber nicht so professionell klingt, nennt man es “Fundraising”. Das versteht keiner. Macht aber nichts. Ãœbersetzt ist das die Mittelbeschaffung ohne einen adäquaten Gegenwert. Genau mit damit hat sich die Arbeitsgruppe “Fundraising” auf der Pfingstakademie 2009 im Wannseeforum beschäftigt.

Wichtige Methoden

Sechs Schüler und Studenten sitzen im Seezimmer des denkmalgeschützten Gebäudes und lauschen aufmerksam dem Vortrag. Referent der Gruppe ist Jens Chowdry. Er ist 24 Jahre jung und arbeitet bei der Servicestelle Jugendbeteiligung. “Fundraising ist kein Betteln!”, sagt er in einem beinahe strengen Ton. Chowdry fährt fort und erläutert, dass man Geld, Zeit oder Sachspenden von jemandem oder einer Institution erhält, ohne dass dieser oder diese dafür eine Gegenleistung bekommt. Das ist etwas für mich!, mag man denken. Der einzige Haken bei der Sache ist, dass sie nur bei gemeinnützigen Projekten funktioniert. Was auf den ersten Blick wie unfairer Handel aussieht, ist in Wirklichkeit eine wichtige Methode, um Hilfe für einen guten Zweck zu bekommen: Mit dem Mittel des Fundraisings engagieren sich nämlich auch die Teilnehmer der Arbeitsgruppe. Sie arbeiten bei der Schüler- oder Studentenverteretung oder bei der Jugendpresse. Ohne Geld läuft da nichts.


Wichtige Schritte

Jens Chowdry, der selbst Sozialpädagogik studiert hat und gerade sein Diplom zum Thema Fundraising schreibt, blickt ruhig in die Runde. Ohne Konzept funktioniere beim Fundraising nichts. Denn es reicht nicht, allein etwas zu sagen, man muss auch etwas zu sagen haben, wie er meint. Auf der kleinen Standtafel hängen große, karierte, mit Edding beschriebene Blätter, wie man sie von Vorträgen kennt. Darauf stehen sieben Schritte, die einen Fundraiser zum Erfolg führen sollen. Los geht es. Zuerst, so Chowdry, müsse man sich ein Leitbild erstellen, und deutet mit einem Edding auf den ersten Schritt. Ein Logo entwerfen, klar machen, was man erreichen will, wissen, wer man ist. “Ich hoffe, so weit seid ihr schon”, grinst er. So weit sind die Teilnehmer. Zweitens. Umweltanalyse. Dabei wird untersucht, wer mögliche Konkurrenten oder Partner sein können, und was die Konkurrenz oder Partner kann. Der dritte Schritt ist die interne Analyse: was sind Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken des Projekts?

Einfache Frage?

Einfache Frage? Er lässt die Teilnehmer selbst aktiv werden und diesen dritten Schritt für ihre eigenen Projekte proben. Da muss auch die Pfingstkakademie herhalten. Die Lage, die gute Organisation sowie die eindeutigen, aber nicht zu straffen Regeln sind Stärken. Das stellen eine Schülerin aus NRW und ein Schüler aus Bayern fest. Als eine Schwäche hingegen nennen sie ein weitgehend “einseitiges Publikum”. Es fehlen ihnen Teilnehmer aus Parteien, größeren Vereinen und kirchlichen Organisationen. Zu einseitig sind Jugendliche aus der Schülervertretung und Medienorganisationen vertreten, finden sie. Vielleicht ein Anstoß für die Pfingstakademie, wenn die interne Analyse mal von den Teilnehmern kommt und nicht von den Organisatoren. Oder haben die etwa noch keine interne Analyse gemacht?! Wohl kaum. Interne Analysen stellen das Projekt noch einmal in einem anderen Licht dar und sind deshalb ziemlich wichtig, finden die Teilnehmer und das findet auch der Referent.

Strategie und Planung

Dann aber geht es weiter mit dem vierten und laut Jens Chowdry wichtigsten Schritt, den die Gruppe noch vor dem Mittagessen behandeln will: Strategie und Planung. Ein konkretes Ziel setzen und dann die Fragen: “Wer macht was, bis wann, wie viel?”
“Zielsetzung”, sagt Chowdry, “die müssen wir jetzt üben.” Dann fragt er die Gruppe, was denn ihr Ziel sei. Es reicht nicht anzugeben, dass etwas besser werden muss. Es müssen ganz konkrete Ziele sein, die auch wirklich umsetzbar sind.

Nächster Schritt. Zielgruppenanalyse. Man müsse sich genau klar sein, wen man ansprechen wolle, um auch die Interessen der Zielgruppe zu kennen, erklärt Chowdry. Vierter Schritt. Maßnahmen und Methoden. Es geht um Kundengewinnung. Dazu haben die Teilnehmer viele Ideen: Betteln, Rundmails, Flugblätter, Parties und Konzerte, Telefonwerbung und von Haus zu Haus gehen waren konventionelle Lösungen. Da geht aber noch so einiges mehr. Ansgar, in der Landesschülervertretung NRW aktiv, und bald Teilnehmer am Programm “Schüler helfen Leben” im Kosovo, bemerkt, dass es aber noch andere Möglichkeiten gebe: Man könne zum Beispiel für parkende Autos mit abgelaufener Parkzeit neue Parkscheine kaufen. Mit einem Grinsen erklärt der Schüler mit gelben T-Shirt und knallgrüner Jeans, was man als Nachricht an die Windschutzscheibe kleben solle: “Wir haben Ihre Parkzeit verlängert. Spenden Sie doch als Dankeschön für unser Projekt!” Das sollte klappen. Genau so und so ähnlich sieht kreative Werbung aus.

Letzter Schritt

Letzter Schritt. Bindungsstrategien. Nein, nein, es geht nicht um Partnerbörsen. Wichtiger als neue Spender zu werben, ist alte Spender an sich zu binden, erklärt Chowdry. Es sei sieben Mal wahrscheinlicher, jemanden, der sich schon einmal beteiligt hat, erneut für sich zu gewinnen, als nach ganz neuen Leuten zu suchen. Deswegen muss man sich um den Kontakt zu den Spendern bemühen. Zum Beispiel den Sponsoren auch einmal erklären, ob von dem Geld auch der geplante Spielplatz gebaut worden ist, oder die Finanzkrise dazwischen gekommen ist.

Wie man sieht, so schwierig ist es wohl gar nicht, etwas zu erreichen. Sieht sogar ganz einfach aus, wenn man sich das Ganze einmal in kleinen Schritten ansieht. Wer eine Idee hat, sie durchzusetzen, der braucht keine Hemmungen haben. Der Rest ergibt sich.