Engagement in Europa

Raus aus Deutschland

Immer mehr Jugendliche planen Auslandsaufenthalte.
Die meisten wollen Pluspunkte für den Lebenslauf sammeln.

Von Anja Maxrath


Wer sich für den Arbeitsmarkt rüsten will, muss Erfahrungen sammeln. In Zeiten der Globalisierung werden Sprachen umso wichtiger, Auslandsaufenthalte unter Jugendlichen gewinnen an Bedeutung. Dann heißt es: Raus aus hiesigen Gefilden.


Auslandsaufenthalte unter Jugendlichen gewinnen an Bedeutung

Seit Jahren nehmen Auslandsaufenthalte unter Jugendlichen zu. Die Zielländer sind vor allem die spanisch- und englischsprachigen Nationen. Zwei Drittel aller Auszubildenden und jungen Fachkräfte waren zwei Befragungen vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) im Jahre 2002Â zufolge “stark” oder “sehr stark” an einem Auslandsaufenthalt interessiert, wenn auch nur 20 Prozent bereits Erfahrungen im Ausland sammeln konnten – Tendenz steigend. Es geht darum, andere Kulturen kennen zu lernen, Erfahrungen zu sammeln aber auch um die Verbesserung bisheriger Sprachkenntnisse.

Einige der Teilnehmer am Workshop “Engagement in Europa” haben schon einmal während der Schulzeit Erfahrungen im Ausland gesammelt. Jetzt interessieren sie sich dafür, auch nach dem Schulabschluss noch einmal Erfahrungen in der weiten Welt zu sammeln.

Sein Geld oder das Portemonnaie sollte man zudem “immer im Auge behalten”, erzählt Stephan Schiller, ein Mittvierziger im Karohemd und Vertreter der Ferienbörse EURODESK Leipzig. Und wer längere Zeit weg geht, verliert womöglich auch gute Freunde aus dem Auge.

Viele wollen durch einen Auslandsaufenthalt ihren Lebenslauf aufbessern. Es geht darum, eine neue Sprache zu lernen oder alte Kenntnisse zu vertiefen, andere Kulturen kennen zu lernen oder sich anderweitig zu engagieren.

Erasmus, Work&Travel und Co.

“Wer im Ausland studieren will, der sollte sich für Stipendiatenprogramme bewerben”, rät Schiller. Nicht nur Erasmus, ein europäisches Förderungsprogramm für Studenten, sei sehr beliebt, auch der Deutsche Akademische Auslandsdienst (DAAD) vergebe Stipendien, die ein Studium im Ausland zumindest finanziell erträglicher machen. Auch Schillers Kollegin Katrin Herzberg kann von ihrem Erasmus-Jahr, das sie in Strassbourg verbracht hat, einiges berichten. Sie gibt wertvolle Tipps zur rechtzeitigen Bewerbung und zur Integration in fremden Universitäten. Und sie warnt davor, nur allzu locker an die Organisation und Planung eines solchen Auslandsjahres ranzugehen. “Oft sind die Studienbedingungen im Ausland anders als an der Heimatuniversität, da muss man sich vor allem um die Anerkennung der Scheine kümmern”, weiß sie.

In Strassbourg hatte sie allerdings auch damit zu kämpfen, dass der Stundenplan dort anders ist und Vorlesungen sich oft überschneiden oder so randlos aufeinander folgten, dass man kaum Zeit hatte, den Raum zu wechseln. “Das akademische Viertel gibt es dort nicht,” sagt sie. Anders als in Deutschland fangen in Frankreich die Vorlesungen auch wirklich zur angegebenen Uhrzeit an, während bei uns noch eine Viertelstunde Puffer eingebaut ist.

Für Leute, die mal aus den eigenen vier Wänden raus wollen und andere Länder kennen lernen möchten, bietet sich das Programm “Work&Travel” an, wo man arbeitet und reist. Auch das freiwillige soziale, ökologische oder kulturelle Jahr bietet sich dafür an, um andere Länder und Leute kennen zu lernen. Interessant ist es zu wissen, dass viele Programme nicht nur auf Deutschland oder Europa beschränkt sind. Hier gilt es, sich gut über die einzelnen Programme zu informieren.

Eigeninitiative ist nicht immer angesagt

“Man sollte auf jeden Fall ein seriöses “Work&Travel”-Programm in Anspruch nehmen”, rät Schiller. Das habe den charmanten Vorteil, dass mit dem Geld, das für das Programm bezahlt werden müsse, schon die Flüge bezahlt wären, man einen Ansprechpartner im Ausland habe und nicht alleine auf sich gestellt sei. “Ich habe schon mit Leuten gesprochen, die ihr “Work&Travel”-Jahr selbst organisiert haben und da waren schon die speziellen Flüge, wo man den Rückflug für ein Jahr später buchen muss, teurer, als der Anteil, den man für ein “Work&Travel” Projekt bezahlt hätte”, sagt Schiller.
Aber ein Jahr so weit weg von zuhause? Das ist nicht für jedermann das Richtige. “Grundsätzlich gibt es auch Programme, die über einen kürzeren Zeitraum gehen,”, weiß Schiller, aber ratsam fände er das nicht. So richtig integriert habe man sich in einem Land auch erst nach einem knappen Jahr. Dann geht es aber meist schon wieder zurück in die Heimat. Und da kann es ja auch ganz schön sein.