Tag 3 – Cat Memes gehen immer

Während des Lockdowns eine Fremdsprache oder Programmieren lernen – das habe ich beides nicht geschafft. Aber Methoden-AGs am Methodentag – im Grunde ist das nichts anderes, als neue Sprachen zu lernen, um die Erkenntnisse aus den inhaltlichen Workshops ins echte Leben zu übersetzen. Am Sonntag der 20. pfingstAKADEMIE heißt das für mich vor allem: digital sprechen lernen durch Tools und durch Memes.

Von Lorenz, 34, hat während Corona in ein neues Fahrrad und ein neues Sofa investiert und verspricht sich davon eine gute Balance aus Bewegung und Faulsein.


 Der Meme-Workshop gibt uns die Möglichkeit, das sonnige Wetter zu nutzen. Nebenbei bemerkt bin ich persönlich ganz froh, dass es jetzt im Herbst nicht mega warm ist – mein Hirn funktioniert so einfach besser. Jessica teamt ihren Workshop komplett im Zoom-Raum – das bedeutet, dass die Teilnehmenden vor Ort im wannseeFORUM sich in und um die Villa verteilen können; nur Laptop und Handy sollten mit am Start. Büsra, Süeda und Nadine haben sich auf der Terrasse eingerichtet.
 
Memes prägen diesen Workshop von Anfang an: bei der Vorstellungsrunde darf man sich aus einer kleinen Auswahl ein Lieblings-Bild aussuchen, mit dessen Hilfe man sich der Runde vorstellt. Die Meme-gestützte Vorstellungsrunde – das merke ich mir definitiv für kommende Workshops. Memes sind bildhaft, anschaulich und erlangen dadurch ihre Zugänglichkeit – viele von uns sind visuelle Typen und springen auf Bilder schneller an als auf Text oder Ton.

In der Meme-Werkstatt © Foto: Leonie Geiger

Ich liebe Workshops mit theoretischem Unterbau – und werde nicht enttäuscht. Memes bewegen sich an der Schnittstelle zwischen Humor und Politik. Diese Schnittstelle gibt es schon sehr lange, nämlich Satire. Diese löst Widersprüche und Anspannungen auf, was uns zum Lachen bringt. Das führt auch zur offiziellen Meme-Definition™: Bild oder Text, der absichtlich satirisch verändert wurden. Häufig mit aktionistischem Hintergrund: Philipp Amthor wird seine „Du alter Zerstörer“-Aussage inzwischen von FFF-Aktivist*innen um die Ohren gehauen.

Wie kann und werde ich in Zukunft Memes verstärkt nutzen? Neben der Kennenlern-Runde kann das gemeinsame Erstellen von Memes ein Zugehörigkeitsgefühl auslösen. Gerade, wenn man sich nicht (so häufig) „in echt“ sieht, kann eine Gruppe oder ein neu zusammengestelltes Team wachsen, indem man gemeinsam Memes erstellt und sich dadurch über den gemeinsamen Humor klar wird. Jessicas Lieblings-App dafür heißt übrigens Mematic!
 
Auf meinem Weg zum zweiten Workshop im Theatersaal fällt mir positiv auf: dadurch, dass dieses Jahr weniger Menschen vor Ort auf der PA sind, verkürzt sich die Wartezeit beim Essen ist eine stärkere Konzentration auf das Landhaus und den Theatersaal möglich, niemand hängt im Atrium rum – bei mir kommt dabei viel mehr dieses „unsere Villa am Wannsee“-Gefühl auf.
 
Digitale Tools für Beteiligung: spannend, dass es die eigentlich auch schon vor Corona gab, aber viele erst jetzt den Schritt gemacht haben, sie auch zu nutzen. Die gesunkene Zahl an Geschäftsreisen spricht da eine klare Sprache. 2020 ist das Breakout-Jahr für Zoom, Teams oder Jitsi – aber auch für Tools wie Mentimeter und Kahoot, die in diesem Workshop im Zentrum stehen. Abstimmungen, Quizze, Crowdsourcing von Begriffen und Themen. Das geht damit geschmeidig, niedrigschwellig und ohne Stift und Papier.

Der Tool-Workshop in Action © Foto: Leonie Geiger


Dadurch erfahren Workshops, Konferenzen oder auch einfach ein Teamtreffen ein Plus an Selbstwirksamkeit für die Teilnehmenden, Compliance gegenüber den Ergebnissen, eine vereinfachte Teilhabe auch in hybriden Sitzungen – vor allem aber eine Demokratisierung im vielfachen Sinn. Denn nicht nur werden mehr Leute in den Prozess eingebunden, ihre Einbindung ist auch unabhängiger von Geld (wenn auch nicht von digitalen Ressourcen) sowie von Entfernung. Auch anonyme Beiträge sind möglich und stützen die Niedrigschwelligkeit.

Aber was ist mit dem von mir geliebten Kaffee- oder Biertrinken bei Konferenzen, bei dem man noch eine Politikerin oder einen Teilnehmer zwischen Tür und Angel anhauen kann? Auch dafür gibt’s inzwischen Lösungen wie etwa Mozilla Hub, bei dem man via Avatar auf andere zusteuern und sich informell connecten kann.
 
Positiv überrascht haben mich heute zwei Dinge: erstens, wie gut es klappt, den letzten Tag der pfingstAKADEMIE nach hinten raus zu verlängern. Zusammen mit dem früheren Beginn am Anreisetag ergibt das eine ordentlich lange Netto-Seminarzeit, obwohl wir insgesamt nur zwei Nächte hier sind. Anscheinend klappt das, wenn man frühzeitig An- und Abreise entsprechend plant und das den Teilnehmenden auch vorher kommuniziert.
 
Und zweitens: meine Vorfeld-Befürchtung „nicht schon wieder über Krise reden, jetzt reichts damit“ hat sich als unberechtigt herausgestellt. Denn das produktive Bearbeiten von tatsächlich vorhandenen negativen Szenarien, aber auch das empowernde Gefühl von vernünftigen Menschen, die an guten Lösungen arbeiten, hat mir beim Verarbeiten des allgegenwärtigen Krisen-Gefühls geholfen. Gut, dass wir die pfingstAKADEMIE gemacht haben – besser spät, als nie!

Zwischen Abschiedsgefühlen und Mittagessen © Foto: Leonie Geiger