Tag 2 – Digital, aber ziemlich präsent

Der Kern der Pfingstakademie in zehn Sessions.

Von Lorenz, 34, kann trotz Corona immer noch kein Bananenbrot backen, hat aber jetzt jede Menge Zimmerpflanzen als neue Freund*innen.

Es war zweifelsohne ein Experiment, dem recht freien Format vom Barcamp so viel Raum zu geben. Aber ein gelungenes: stärker inhaltlich geprägt war das Barcamp auf der pfingstAKADEMIE selten. Eingerahmt von Themengruppen (am Freitag) und Methoden-AGs (am Sonntag) bildet der Samstag den zentralen Tag der besonderen pfingstAKADEMIE 2020. Zudem funktionierte die Zusammenschaltung von digitalem und analogem Workshop-Raum (meistens) super. Was die Session-Gebenden aus ihren Themen mitnehmen, lest ihr unten.

Gute Laune beim Mittagessen © Foto: Ilo

Konstantin: „Nicht nur die (Erwerbs-)Arbeitswelt, auch das ehrenamtliche Engagement ändert sich durch die Pandemie. Wollen wir zurück ins Alte, Normale? Oder öffnet sich ein Fenster für neue Perspektiven im Engagement? In jedem Fall denke ich, dass die Pandemie für uns wie ein Brennglas auf soziale Ungleichheit (etwa IT-Ausstattung) wirkt und Fehlentwicklungen bei Subventionen, z.B. für die fossile Wirtschaft, ins Licht rückt.“

Katja: “Beim berühmten ‘kleinen Beitrag’ für Nachhaltigkeit ist für jede*n was dabei. Der*die Handynutzer*in kann auf Nachhaltigkeit bei der Nutzung digitaler Dienste achten; das Shopping-Ass kann Second Hand, B-Ware, Zero-Waste oder Öko kaufen. Wichtig: niemand muss alles perfekt machen. Das Barcamp hat mir gezeigt, dass es unheimlich Spaß machen kann, sich über die verschiedenen Möglichkeiten auszutauschen. Wir haben uns gegenseitig positiv inspiriert!”

Katja, während sie live beim Zoom-Workshop dazugeschaltet ist. © Foto: Ilo

Marcellina: „Das Schwierigste beim kreativen Schreiben ist ja meistens der Einstieg. Mein Tipp für eine ordentliche Portion Input an witzigen Wörtern: einfach eine Runde „Stadt – Land – Krise“ spielen, mit kreativen Kategorien wie z.B. „Held*in“ oder „nervige Person“. Damit sind bei uns in der Session reihenweise halbseitige Texte entstanden. Sehr erfreulich – gerade in Zeiten von Corona!“

Alex: „Streiks im Tarifkonflikt des Öffentlichen Dienstes – zwischen ‘gerade jetzt?’ und ‘gerade jetzt!’ gibt es einige Positionen, die wir diskutiert haben. Wichtig ist für mich der Grundsatz ‘gleicher Lohn für gleiche Arbeit’, auch wenn Arbeitnehmer*innen aus unterschiedlichen Ländern kommen.“

Alex chillt am See © Foto: Leonie Geiger

Katja: “Dadurch, dass wir alle unterschiedlich sind, gehören wir alle zu (k)einer Minderheit – und sind damit sicherlich nicht minder-wertig.”

Annika: „Bei der beruflichen Integration von Menschen mit Handicap muss man genau hinschauen, denn die Umsetzung ist mal gut – und mal nur gut gemeint. Ziel sollte ein inklusives Leitungshandeln sein, das ‘richtige’ Arbeitsplätze auf dem ersten Arbeitsmarkt inklusiv gestaltet.“

Annika (hinten) auf der Veranda © Foto: Leonie Geiger

Konstantin: „Unser Blick auf den ‘Rest der Welt’ ist oft sehr eurozentrisch. Kein Wunder, wenn man sich das Bild von ‘fremden’ Ländern in so manchem Schulbuch anschaut. Dagegen sollte das Handeln Deutschlands zur Kolonialzeit stärker in den Fokus rücken. Wollen wir uns in der Entwicklungszusammenarbeit engagieren, sollten wir unsere eigene Arbeit stark reflektieren. Sie sollte eher Dialog-Charakter haben statt one-way aus dem politischen Norden kommen, so à la ‘die, die helfen, und ‘die, denen geholfen wird’.“

Lorenz: „Unser Fazit zum Thema Polizeigewalt: Fast schlimmer als die einzelnen Fälle an sich ist die Verweigerung der Institution Polizei, sich dem gesellschaftlichen Diskurs über Gewaltmissbrauch zu stellen. Obwohl gerade das den Blick weglenken würde von der*dem einzelnen Polizist*in hin zu den strukturellen Änderungen die nötig wären, um Vertrauen wiederherzustellen.“

Lorenz genießt die Pause nach seinem Workshop © Foto: Ilo

Nicolas: “Lokale Räume und Orte der Beteiligung finde ich wichtig, damit Jugendliche im Alltag mitgestalten können. Dabei müssen wir junge Menschen aus allen Gruppen der Gesellschaft erreichen, unabhängig beispielsweise von ihrer sozialen oder finanziellen Situation. Teil der Lösung können kostenfreie, niedrigschwellige Gesprächsformate wie Barcamps oder digitale Teilnahmen sein.”

Janine: „Es ist nicht immer leicht, aus der Vielfalt an Rezepten diejenigen herauszufinden, die einfach, schnell und lecker selber umzusetzen sind. Deshalb haben wir häufig zwei bis drei Lieblingsgerichte, die wir gerne kochen. Durch unseren Austausch konnten wir unsere eigene Auswahl erweitern und uns mit Tipps ergänzen.“

Konstantin: “Die Abschluss-Diskussion mit Emma Fuchs (Fridays for Future Berlin), Delara Burkhardt (MdEP der SPD), Annalena di Carlo (EU-Jugendvertreter*in) und Elif Bayat (Junge Islam Konferenz) hat mich ziemlich geflasht – und ich hoffe, die anderen Menschen hier auch. Alle vier waren uns digital zugeschaltet, aber durch den Speaker View von Zoom ziemlich präsent. Für Rückfragen aus dem analogen Raum mussten wir etwas improvisieren und nahe ans Mikro treten – aber das fand ich vollkommen okay. Die Botschaft, die ich aus der Diskussion mitnehme, ist die: wir haben die Möglichkeit, die Krise als Chance zu nutzen. Dafür müssen wir aber im Hier und Jetzt was tun und die richtigen Entscheidungen treffen. Das Beispiel dafür schlechthin ist, dass wir die umfangreichen Mittel zur Konjunkturförderung nicht kopflos in alte und CO2-lastige Industrie stecken, sondern in die Zukunft investieren. Und wir müssen alle daran arbeiten, uns diverser, bunter und inklusiver aufzustellen.”

Konstantin am Moderieren © Foto: Leonie Geiger