Drei mit dem Rest der Welt

Simeon Wittenberg, Antonia Fedlmeier, Jan Buckenmayer / Foto: Marie Schönig Simeon Wittenberg, Antonia Fedlmeier, Jan Buckenmayer / Foto: Marie Schönig

Lange Zeit wurden Designer auf das Finishing und Aufhübschen dieser Welt reduziert. Aber auch Designer müssen sich heute mit Problemen der Stadtentwicklung befassen. Wir sind ein Forschungsprojekt von drei Designern aus Köln und Teilnehmer der Pfingstakademie. Wir befassen uns mit globalen Herausforderungen der Zukunft. Der Grund: Seit 2007 lebt die halbe Menschheit in Städten. Bis zur Mitte dieses Jahrhundert werden 70 Prozent der Weltbevölkerung in die Städten und Megacities dieses Planeten abwandern. Im Jahre 1950 lebten noch gut 70 Prozent der Menschen auf dem Land. Wir können nicht einfach so weitermachen.
Von Simeon Wittenberg, 24, Designer aus Köln

Große Probleme brauchen große Ideen und weitreichende Lösungsansätze. Das war für uns eine klare Aufforderung an einem Projekt der Köln International School of Design (KISD) teilzunehmen, was den schlagwortartigen Titel trug: Gentrifizierung. Kapstadt. Berlin. Wir, das sind Simeon Wittenberg, Antonia Fedlmeier und Jan Buckenmayer aus Köln, wir studieren alle drei Design. Während die Architektur jedoch ihren Platz in der Geschichte der Stadtgestaltung erfolgreich gefunden hat, steht das Design auf diesem Gebiet noch immer im Schatten seines vermeintlich größeren Bruders. Hier wollen wir ansetzten, denn der elaborierte Diskurs um Stadt, Identität und soziale Utopien wird meist woanders, ohne Designer geführt. Dabei kann das Design mit seinen Methoden und seiner Forschung den Diskurs sehr stark bereichern. Ein ganzheitlicher, auf den Menschen gerichteter Ansatz und Themen der sozialen Gerechtigkeit, von Nachhaltigkeit in sozialer, ökonomischer und ökologischer Dimension, sind dabei zentraler Bestandteil unserer Betrachtungsweise.

Bevölkerungsexplosionen in den Städten

Meine Generation erlebt gerade live die größte Explosion der Weltbevölkerung und rasante Veränderungen in den Städten. Die Bevölkerungsexplosion von Shenzhen in China von etwa 30.000 Menschen vor 30 Jahren zu heute mehr als 12 Millionen innerhalb einer industrialisierten Agglomeration von 120 Millionen Menschen auf der Fläche von Nordrhein-Westfalen ist kein Einzelfall, sondern Sinnbild für die Entwicklung vieler Städte rings um den Globus.

Insbesondere die Verstädterung in Entwicklungsländern, ist in ihren ökologischen, ökonomischen und sozialen Tragweiten noch nicht vollständig absehbar sind. Neben den offensichtlichen Problemen bei der Entstehung von Megastädten richtet sich der Blick der Fachdiskussion in den letzten Jahren verstärkt auch auf die Chancen dieser Entwicklung.

Aufwertung von Nachbarschaften und Innenstädten

Ich will aber darauf eingehen, dass diese rasanten Entwicklungen oftmals gerade nicht zum Vorteil seiner Bewohner geschieht und viele Menschen in Prozessen der Stadtentwicklung und Gestaltung regelrecht auf der Strecke bleiben. Die Aufwertung von Nachbarschaften und Innenstädten führt zunächst einmal nur zu höheren Mieten und einer sozialen Selektion zwischen denen, die sich die höheren Preise leisten können und denen, die gezwungen werden sich ein neues Zuhause zu suchen. Dies ist ein Trend, welcher die sozio-ökonomischem Strukturen und Milieus von Stadtteilen, oder sogar ganzer Städte, unwiederbringlich verändert. Dieser negativen Auswirkungen nennen sich Gentrifizierung.

Der Begriff Gentrifizierung bezieht sich auf Ruth Glass, die in den 1960iger Jahren die Vertreibung der Arbeiterklasse durch das mittelständische Bürgertum in London beschrieb. Gentrifizierung kann als komplexes Phänomen gesehen werden, das versucht, sozio-ökonomische Dynamiken zu beschreiben, Gentrifizierung ist inzwischen aber auch ein linker Kampfbegriff, der an Hauswänden und auf den Titelseiten der Bundespresse zu lesen ist.

Bin nicht ich der eigentliche Gentrifizierer? Wir wollen etwas unternehmen

Dabei fungieren oftmals gerade Designer, Kreative, Studenten und Künstler als Katalysatoren und Pioniere einer solchen Entwicklung. Bin nicht ich der eigentliche Gentrifizierer? Bin ich irgendwie schizophren oder sarkastisch mit dem was ich tue? Fragen, auf die es keine klaren Antworten zu geben scheint, die aber einen Zugang zum Thema der Gentrifizierung im Rahmen der persönlichen Betroffenheit schaffen.

Als junge Designer aus Köln wollten wir gemeinsam mit jungen Designern aus Kapstadt mit dem Thema Gentrifizierung Grenzen überschreiten und das Soziale der Gesellschaft greifbar und sichtbar werden lassen. Berührungsängste abbauen und neue Möglichkeiten des Dialogs schaffen. Dabei ging es nicht primär um eine Ästhetische Aufwertung des urbanen Raumes, sondern um Gespräche mit den Menschen vor Ort, eine detaillierte Beobachtung des Raumes, die kritische Reflektion der eigenen Rolle im Prozess von Aufwertungsdynamiken und die Erfassung und Transformation von Atmosphäre in begreifbare Darstellungsformen und Interventionen.

Das schaffen von Räumen und Träumen ist auch das Thema der diesjährigen Pfingstakademie, was uns Einladung und Aufforderung zugleich war unsere Gedanken und Ansätze gemeinsam mit anderen engagierten jungen Menschen zu diskutieren.

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