Samstag: Thementag

Hier findest du regelmäßige Updates zu den Themengruppen, ihren Inhalten und den Referent*innen. Stay tuned! Am Thementag setzt du dich in Kleingruppen mit einem Teilaspekt von Mauern und Grenzen auseinander, der Einstiegsvortrag und die Fishbowldikussion für alle rahmen dabei das Programm.

Ablauf Thementag:

Ab 08:00 Uhr Frühstück

Ab 09:30 Uhr Plenum

Um 10:00 Uhr Einstiegskeynote

Ab 11:00 Uhr Arbeit in den Themengruppen:

  • “Grenzenlos Glücklich? Deutschland 30 Jahre nach dem Mauerfall”
  • „Bridges and Borders – Wohin steuert Europa?“
  • „Ausgrenzung und Teilhabe –Auf dem Weg in eine inklusive Gesellschaft ?”
  • „Zwischen Online-Beteiligung und Hate Speech – Möglichkeiten und Grenzen der digitalen Gesellschaft“

Ab 12:30 Uhr Mittagspause

Ab 14:30 Uhr Fortsetzung Arbeit in den Themengruppen

Ab 16:00 Uhr Kaffeepause

Ab 16:30 Uhr Fishbowl-Diskussion

Ab 18:00 Uhr Abendessen

Ab 20:00 Uhr Besuch  #BerlinBerlin im Theater STRAHL

 

Keynote

Von: Daniel Kubiak

Wenn wir uns die Berliner Mauer als Beispiel ansehen, dann können wir erkennen, dass Mauern physisch und symbolisch existieren können. Physisch war die Berliner Mauer als Ausdruck der Trennung Deutschlands für 28 Jahre existent und hat Menschen geografisch getrennt und über 100 Menschen beim Versuch diese zu überwinden sogar das Leben gekostet. Symbolisch war ihre Rolle noch weitaus wichtiger. Sie trennte zwei politische und kulturelle Systeme und dies wirkt scheinbar bis heute nach. In meiner Keynote werde ich aufzeigen, wie die symbolischen Grenzen auch in der Nachwendegeneration nachwirken und welche Ähnlichkeiten sich zu anderen symbolischen Grenzen finden lassen. Dabei will ich nicht das Trennende heraustellen, sondern auf die Chancen der Anerkennung von Vielfalt hinweisen.

Das ist Daniel:

Daniel Kubiak ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin und assoziiert am Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM). Bis 2011 hat er Sozialwissenschaften in Berlin und Warschau (Polen) mit Forschungsaufenthalten in Denver und Flint (USA) studiert. Im März 2019 hat er seine Dissertation mit dem Titel “Die unendliche Geschichte der ostdeutschen Identität – Identifikation und “Othering” der Post-Wende-Generation” eingereicht. Er hat inhaltlich an der Studie zu “Ost-Migrantischen Analogien” mitgearbeitet, die im April 2019 durch das DeZIM veröffentlich und medial breit besprochen wurde.

 

Themengruppen #wsF19:

A) „Grenzenlos Glücklich? Deutschland 30 Jahre nach dem Mauerfall“

Mit Vinzenz Fengler

Die Mauer ist weg – doch wie vereinigt ist das wiedervereinigte Deutschland? Wer gehört dazu, wer wird/bleibt ausgeschlossen? Wer hat von den Entwicklungen nach der Wende profitiert, wer verloren? Und was können wir für den Abbau von Mauern tun?
Angesichts rassistischer Vorfälle in Chemnitz und der anstehenden Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen, bei denen Erfolge der AfD erwartet werden, ist vielfach die Rede von einer erneuten Spaltung zwischen Ost- und Westdeutschland. „Das Land war vielleicht nie so versöhnt, wie man dachte”, erklärt Angela Merkel Anfang des Jahres in einem Interview und bezieht sich dabei vor allem auf bestehende Ungleichheiten zwischen Ost und West: Tatsächlich sind In vielen Bereichen Ostdeutsche unterrepräsentiert, verdienen im Durchschnitt weniger als Westdeutsche und haben mit Nicht-Anerkennung und Abwertung zu kämpfen.
Erfahrungen, die denen von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland ähneln, worauf u.a. Prof. Naika Foroutan verweist. Arbeitsmigrant*innen und deren Kinder in Ost- und Westdeutschland hatten jedoch nicht die Möglichkeit, sich auf das neue Nationalgefühl berufen zu können, das die Mehrheit der Deutschen nach dem 9. November 1989 ergriff. Vielmehr wurden sie nach der Wende verstärkt zum Ziel rechter Attacken wie die traurigen Ereignisse von Mölln über Rostock-Lichtenhagen bis zum NSU zeigen. Im Workshop soll es daher nicht nur um die Ost- oder West-Sicht gehen, sondern auch um diejenigen, die im Wiedervereinigungsprozess weitgehend ausgeklammert wurden und sich daher als die eigentlichen Wendeverlierer*innen empfinden.
Wir wollen vor diesem Hintergrund miteinander ins Gespräch kommen, unsere Erfahrungen teilen und gemeinsam Strategien entwickeln, wie wir bestehende Mauern zwischen Ost und West und in der Migrationsgesellschaft überwinden können. Dabei soll es auch um die Frage strategischer Allianzen gehen, um die anti-rechten Kämpfe in Ostdeutschland mit der Perspektive von Rassismuskritik zu verbinden.

Das ist Vinzenz:

Vinzenz Fengler ist seit 2006 freier Trainer für Diversity und Demokratiebildung (Betzavta) und arbeitet als Referent in der politischen Bildung. Obwohl in der DDR aufgewachsen, bezeichnet er sich dennoch nicht als Ossi, sondern als Berliner.

B) „Bridges and Borders – Wohin steuert Europa?“

Mit Simone Hermes und Laura Böttger

Zurück zum Nationalismus oder vorwärts zum vereinten Europa? Wie sehen Grenzen innerhalb der EU und außerhalb der EU aus? In welchem Europa wollen wir leben und was können uns die Youth Goals mit auf den Weg geben?
Für das europäische Projekt hatte der Fall des „Eisernen Vorhangs“ vor 30 Jahren eine weitgehende Neuordnung zur Folge. Unter dem neuen Namen “Europäische Union” (EU) wurde der Einigungsprozess Westeuropas und die Erweiterung der Integration nach Osten vorangetrieben, die Wirtschafts- und Währungsunion auf den Weg gebracht, der Euro als gemeinsame Währung eingeführt und im Schengener Abkommen die Grenzkontrollen zwischen seinen Mitgliedstaaten abgeschafft.
Die Euphorie, die anfänglich mit der Einführung des Euro verbunden war, ist seit Beginn der “Eurokrise” 2009 allerdings deutlich geschwunden. Nationale Egoismen bestimmen in vielen Mitgliedsländern die Tagesordnung. Nachdem 2015 für einen kurzen Moment die Grenzen für geflüchtete Menschen offen waren, schottet sich Europa nach außen hin wieder zunehmend ab und auch innerhalb Europas entstehen neue Grenzlinien. Mit Großbritannien plant sogar ein Land, die EU wieder zu verlassen.
Kurz nach den Europawahlen wollen wir unter Berücksichtigung der #YouthGoals im Workshop diskutieren, wie es nun mit und in Europa weitergeht.

Das ist Simone:

Simone Hermes möchte politische Bildungsformate gestalten, die alle erreicht und hilft gesellschaftliche Missstände zu beheben. An Visionen mangelt es ihr also nicht, jedoch am Verständnis für strukturelle Diskriminierung. Das trieb sie nach ihrem Bachelor in Sonderpädagogik in den Master Bildungswissenschaften. Sie ist seit vielen Jahren in der Menschenrechts- und politischen Bildung aktiv. Gerade arbeitet sie in einem Projekt, welches das Europa und die EU für Jugendliche in sozialpädagogischen Einrichtungen erfahrbar macht.

Das ist Laura:

Laura Böttger absolvierte ihr Studium der Bildungswissenschaften in München und gestaltet gerade im Bereich der außerschulischen Bildung Workshops an weiterführenden Schulen in Berlin.
Durch Gesellschaftsdenken e.V. ist sie vor den letzten Bundestagswahlen erstmals auf die Straße und gegangen und hat den politischen Dialog gesucht. Sie ist im Arbeitsbereich Jugend & Demokratie des Vereins tätig und arbeitet derzeit an einem Projekt zur barrierefreien politischen Bildung mit. Mit ihrem persönlichen & beruflichen Engagement verfolgt sie das Ziel Vorurteile durch Begegnungen aufzubrechen, gesellschaftliche Barrieren zu überwinden und das Verständnis politischer Selbstwirksamkeit von (junger) Menschen zu fördern.

C) „Ausgrenzung und Teilhabe –Auf dem Weg in eine inklusive Gesellschaft ?”

Mit Mara Oldenburg

Welche Angebote gibt es, die Partizipation für Jugendliche und junge Erwachsene ermöglichen? Wer kann diese problemfrei nutzen und wem werden viele Steine in den Weg gelegt? Wie kann eine inklusive Gesellschaft ohne Ausgrenzung und mit Teilhabe aussehen?
Von Inklusion können wir dann sprechen, wenn alle Menschen die Gesellschaft gleichberechtigt mitgestalten können und es keine Unterteilung in ein „Wir“ und „die Anderen“ mehr gibt. Das heißt, dass jeder Mensch die Möglichkeit erhalten soll, sich vollständig und gleichberechtigt an allen gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen – und zwar von Anfang an und unabhängig von individuellen Fähigkeiten, ethnischer wie sozialer Herkunft, Geschlecht, Alter etc. Politisch geht es darum, möglichst viele aktiv in Entscheidungs- und Willensbildungsprozesse einzubinden.
Tatsächlich bestehen jedoch verschiedene Zugangsbarrieren: Bspw. haben es gerade junge Menschen oft schwerer, sich mit ihren Anliegen Gehör zu verschaffen. Bewohner*innen ländlicher Regionen müssen teils lange Wege auf sich nehmen, um, Beteiligungsangebote zu nutzen. Mädchen und Frauen sind in Entscheidungspositionen häufig weniger vertreten. Auch fehlende Ressourcen, Klassismus und Rassismus erschweren bestimmten Gruppen die gesellschaftliche Teilhabe. Die Liste ließe sich fortführen…
In diesem Workshop wollen wir gemeinsam Wege finden, Beteiligungshürden für Jugendliche und junge Erwachsene abzubauen und eine Gesellschaft von allen für alle zu bauen

Das ist Mara:

Bei Mara Oldenburg steht vor allem ein Thema im Mittelpunkt: Menschen. Sie studiert im Master Psychologie in Berlin, ist Yogalehrerin und arbeitet zusammen mit Jugendlichen zum Thema Inklusion, unter anderem im Projekt Mission Inklusion der Servicestelle Jugendbeteiligung.
Die Servicestelle Jugendbeteiligung ist eine von jungen Menschen getragene Organisation und macht sich stark für eine jugendgerechte Gesellschaft, in der sich junge Menschen aktiv und selbstbestimmt am gesellschaftlichen und politischen Leben beteiligen können und ihre Perspektiven Gehör finden.
Mehr zur Servicestelle Jugenbeteiligung: https://www.servicestelle-jugendbeteiligung.de/

 

D) „Zwischen Online-Beteiligung und Hate Speech – Möglichkeiten und Grenzen der digitalen Gesellschaft“

Mit Gilda Sahebi von No Hate Speech

Welche Möglichkeiten bietet das Internet, sich politisch zu informieren und zu beteiligen? Wie kann ich meinem Interesse im Netz Ausdruck verleihen? Wie dabei umgehen mit Hate Speech und Fake News?
Verschiedene Formen digitaler Partizipation und Initiativen wie jugend.beteiligen.jetzt oder openPetition senken die Hürden für Partizipation und ermöglichen direkten Einfluss auf politische Entscheidungen zu nehmen. Durch die Sozialen Medien können Protestaktionen und Hilfsappelle direkt und schnell verbereitet werden. Crowdfunding ermöglicht es dabei neue Finanzierungsmöglichkeiten zu erschließen,.
Gleichzeitig erleichtert das Soziale Netzwerke aber auch die Verbreitung von Falschmeldungen. Hate Speech und Fake News erhalten so große Aufmerksamkeit, auch wenn sie nur von einer Minderheit vertreten werden. Anonymität ermöglicht den Verfasser*innen, sich vor der Verantwortung für den eigenen Inhalt zu drücken.
Auch rechtsextreme und radikale Gruppierungen nutzen die Möglichkeiten, um im Internet bewusst die öffentliche Meinung zu beeinflussen und zu manipulieren. Braucht es daher neue Mauern im Netz? Wo ist die Grenze der Meinungsfreiheit und wann beginnt Zensur? Und wer entscheidet darüber, was gepostet werden darf?
Der Themenworkshop bietet viel Gesprächsstoff und Austauschmöglichkeiten für alle, die sich mit Firewalls, Hatespeech und Partizipation im Netz beschäftigen wollen.

 

Fishbowl-Diskussion: “Die Mauer ist weg!?”

Mit Saide Léraillé

Was bedeutet der Mauerfall für Euch persönlich? Welche Erwartungen waren damit verbunden? Wie weit wurde Teilhabe seitdem erreicht? Welche Gruppen werden (weiterhin) ausgegrenzt? Welche Grenzlinien sind neu entstanden? Wie können diese überwunden werden?
Das wollen wir anhand anhand der Expertise und biographischer Erfahrungen mit unseren Gästen diskutieren und dabei auch die kürzlich erschienene Studie „Ost-Migrantische Analogien“ einbeziehen. Dazu bemühen wir uns derzeit um Gäste, die den Mauerfall und die Nachwendezeit miterlebt haben und verschiedene Perspektiven dazu einbringen können.

Wir freuen uns auf eine spannende Diskussion!

Das ist Saide:

Saide hat ihr Masterstudium der interkulturellen Bildung, Migration und Mehrsprachigkeit an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe absolviert und zu den Themen hybride Identitäten und antimuslimischen Rassismus geforscht. Jetzt arbeitet sie freiberuflich in Themenfeldern wie Antirassismus, Teilhabe und Empowerment. Dies unter anderem als Projektassistenz bei CrossOver und Trainerin im ufuq.de-Projekt bildmachen. Unter dem Künstlerinnennamen „seidigesaide“ schreibt und veröffentlicht sie Texte verschiedener Genre und führt ihre Leser*innen und Hörer*innen durch ihre Erfahrungswelten.

 

Abendprogramm: Besuch  #BerlinBerlin im Theater STRAHL

Die Jury des Friedrich-Luft-Preis hat diese „kraftvolle, zeitgeschichtsgetränkte, berührende Inszenierung“ überzeugt. #BerlinBerlin erhält den Friedrich-Luft-Preis für die „beste Berliner und Potsdamer Aufführung des Jahres 2018“.

„Jede Mauer ist ein tragischer Fall.
Jede Mauer fällt.
Eine Mauer steht und fällt.
Eine Mauer fällt hin und steht wieder auf.
Eine Mauer stolpert, fällt hin und steht wieder auf.
Eine Mauer ist komisch.
Eine Mauer, die steht und nicht fällt, ist nicht komisch.
Eine Mauer, über die man stolpert, ist komisch.
Eine Mauer, die einen zu Fall bringt, ist tragisch.“

Für Ingo ist die Berliner Mauer alles andere als ein „Wimpernschlag der Geschichte“. 1961, am Tag des Mauerbaus geboren, wird die Errichtung des „Antifaschistischen Schutzwalls“ sein gesamtes Leben in Ost-Berlin bestimmen. Auf seinen Vater wartet er vergebens, denn der lebt längst mit einer neuen Familie in West-Berlin, seine Mutter schweigt und verdrängt und sein Heimatland mauert sich immer weiter ein. Doch als das „Hierbleiben“ für Ingo nicht mehr geht und er endlich „rüber“ darf, ganz legal per Ausreiseantrag, ist der 9. November ´89 und die Grenze ist plötzlich offen.