Pfingstakademie09

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Fotos Maximiljan Reth

Pfingstakademie Jugendbeteiligung – Partizipation in der Rezession?

29. Mai bis 2. Juni 2009 im wannseeFORUM, Berlin


Von Laura Daub und Jens Thomas

“An allem Unfug, der geschieht, sind nicht nur die schuld, die ihn begehen, sondern auch diejenigen, die ihn nicht verhindern.”
Mit dem Zitat aus Erich Kästners fliegendem Klassenzimmer beginnt das Samstagsplenum der Pfingstakademie am 30. Mai 2009. Um die 80 engagierte junge Menschen aus ganz Deutschland sind nach einem üppigen Frühstück, das mit vier verschiedenen Müslisorten und noch mehr Aufschnittauswahl alles andere als rezessionsbelastet daherkam, zum Theatersaal herübergeschlendert und haben vor der kleinen Bühne Platz genommen, auf der jetzt mit Erich Kästner in das Programm eingeleitet wird.

Michael S. Rauscher, Dozent für politische Bildung im wannseeFORUM und Initiator der Veranstaltung, wirkt konzentriert, als er von dem Zitat eine BrÃücke zum Thema dieser neunten Pfingstakademie am Wannsee schlägt, deren Thema “Partizipation in der Rezession” lautet. Der drahtige Mann im Sakko kommt auch mit graumeliertem Haar noch jugendlich daher. Ihm und seiner schönen wie technikkompetenten Kollegin Annette Ullrich ist es ernst mit dem Anliegen, Jugendlichen eine echte Gelegenheit zum Mitreden und Gestalten zu geben. “Bei der Pfingstakademie wird Jugendbeteiligung groß geschrieben”, erklärt er nachdrücklich. “Unser Ziel ist die Einflussnahme auf gesellschaftliche Entwicklung und Politik zu vergrößern.”

Angefangen hat alles vor beinah einem Jahrzehnt mit der ersten deutschen Jugendkonferenz im Juni 2000. Die erste Pfingstakademie gab es im Jahre 2002. Im Jahr zuvor hieß sie noch Pfingsttreffen und war ein bundesweiter Austausch zwischen Bundespartizipationsinitiativen. Von Politikverdrossenheit will Rauscher nämlich nichts wissen. Eher solle man von “Parteienverdrossenheitâ” sprechen. “Wenn man Politik als parlamentarische Arbeit der Parteien versteht, sind viele Jugendliche durchaus politikverdrossen. Wenn Politik aber als Engagement direkt vor der Haustür verortet wird, um das eigene Leben in die Hand zu nehmen und selbst Misstände anzupacken, ist in dieser Gesellschaft deutlich mehr Bereitschaft da”. Und um diese Jugendlichen ginge es bei der Pfingstakademie.

Mit Infospickern in der Hand verkünden Ullrich und Rauscher das Tagesprogramm. Der Austausch von Projekten steht auch in diesem Jahr im Mittelpunkt. Um die 30 Jugendprojekte sind vertreten. Von Freitag über die Pfingsttage bis zum Dienstag, dem 2. Juni, werden Themen wie “Wirtschaft, Verantwortung, Ethik”, “Jugendbeteiligung Online” oder “Die EU und die anderen” mit geladenen Referenten verhandelt. “Es geht darum, aktuelle Trends und Diskurse zu beobachten, die möglicherweise erst mal gar nicht mit Jugend zusammenhängen müssen”, sagt Rauscher. Und das Schöne daran sei, dass Jugendliche an diesem Wochenende selbst auf Themensuche gehen können. Zuvor habe man im direkten Umfeld engagierte Jugendliche aus Schülervertretungen, Jugendparlamenten oder initiierten Projekten angesprochen. „Bundesweit streuen wir unsere Einladungüber die Plattform bürgerlichen Engagements von respectABel bis Bundesjugendring”.

Die Hälfte der Anwesenden ist an diesem verlängerten Wochenende neu dabei. Zum Beispiel Elena Gallo aus Wiesbaden, die auf einer Demonstration gegen Nazis zum ersten Mai ihre neue Freundin Lena Zeller kennenlernte, da hatten sie sich beide bereits für die Pfingstakademie angemeldet. Zu Hause ist sie Schülersprecherin, organisiert in der Schule Projekte zu Toleranz und Stärkung der Demokratie. Ihre blauen Augen nehmen wach die vielen neuen Eindrücke auf. Sie nickt zustimmend, als Lena Zeller die schöne Atmosphäream See lobt, die sie auf der Pfingstakademie nun schon zum vierten Mal genießt und davon erzählt, dass es vor allem die spannenden neuen Bekanntschaften und Informationen über Möglichkeiten der Jugendbeteiligung sind, die sie dabei zu schätzen weiß.

Wenig später beginnen die Querschnittsgruppen, die den ersten Programmtag prägen und vor allem Inhalte vermitteln sollen. Angeregt wird im Theatersaal über Perspektiven und Wertewandel auf die Finanzkrise hin diskutiert. Im Atrium geht es mit Fragen zu Zukunft und Jugendbeteiligung in der EU um ein nicht weniger aktuelles Thema, immerhin ist am 7. Juni Europawahl. Im Balkonzimmer indessen sitzt jeder zweite vor einem Laptop. Es fallen Fachbegriffe wie “twittern”, es wird darüber gerätselt, was Internetforen wie abgeordnetenwatch.de für die Gesellschaft und mehr Jugendbeteiligung bringen können.

Nach einem Grillabend und einer großen Diskussion mit prominenten Gästen aus Politik, Wirtschaft und Wissenenschaft folgen dann zwei Tage des Methodentrainings in verschiedenen Arbeitsgruppen. Über die vielfältigen Möglichkeiten der Pfingstakademie, sich zur Aktivität wider den “geschehenden Unfug” zu rüsten ist auf diesen Seiten zu lesen.

Hier gibt es alle wichtigen Informationen rund und die Pfingstakademie.
Viel Spaß beim Lesen und Bloggen:

Impressionen 09:


Querschnittsthemen:

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