Baut Brücken statt Mauern!

Steuern wir auf ein Europa der Einzelkämpfer*innen und des Egoismus hin? Wie wir uns entscheiden, hängt auch von jedem einzelnen ab. Wir stehen als Gesellschaft vor der Frage, ob wir ein freies Europa wollen oder ein durch Mauern gespaltenes.  

Von Lennart Zander, 20. Die letzte persönliche Mauer, die er überwunden hat, war sich eine EU Flagge zu bestellen, weil die EU die beste Idee ist, die Europa je hatte.
Und von Alexander Löher, 16. Die letzte Mauer, über die ich mich hinweggesetzt habe war, den Berufswunsch des Piloten beizubehalten und stets über doofe Kommentare in Bezug auf den Klimawandel hinwegzusehen, die mich als Unmensch bezeichnen.

Wohin steuert Europa? Nach den Europawahlen beschäftigen wir uns dieses Jahr intensiv mit dieser Frage. Naja, wir haben auch allerlei Grund, uns Gedanken um Europa zu machen. In Zeiten von europaweitem Rechtspopulismus und Klimawandeldiskussionen ist die politische Stimmung angespannt.

Im Rahmen des Angebotes der pfingstAKADEMIE 2019 haben wir uns daher einer Diskussion zu dieser Thematik gestellt. In dem Workshop „Bridges and Borders“  von Bildungsreferentinnen Laura Böttger und Simone Hermes ging es um die Angst – und ihre Überwinden.

Im nächsten Schritt wurde gefragt, welche Grenzen wir in Europa sehen und was wir als Europäer*innen unter Barrieren verstehen. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde der Teilnehmer*innen und Teamerinnen starten wir mit der Frage zur Gegenwart und Zukunft Europas. Um unsere Vorstellungen von Grenzen genauer definieren zu können, haben wir mit Bildern aus Leonardo Vincenzos Fotoreihe gearbeitet, welche innereuropäische Grenzen in Bildern zeigen.

Durch das Schengener Abkommen haben wir in der Europäischen Union den Vorteil erleichterter Reisefreiheit, doch ist diese durch den aufsteigenden Populismus und Rechtsruck in Europa bedroht. Nationalistisch eingestellte Politiker*innen fordern stärkere Grenzkontrollen, wie etwa in Ungarn unter Victor Orbán. Dadurch wird die Errungenschaft des europäischen Miteinanders immer mehr in Frage gestellt.

Relativ schnell schimmerte in unserer Diskussion durch, dass viele Grenzen, die wir in der EU haben, häufig als unscheinbar, willkürlich und fließend wahrgenommen werden. Beispielhaft war eine Aufnahme der Grenze zwischen Österreich und Tschechien, die mitten im Wald lag und bei der mit bloßem Auge nicht erkennbar gewesen ist, wo die eine Nation endet und die andere beginnt.

Nach dem Mittagessen und Entspannen am See, setzten wir uns im zweiten Teil mit einer Tafel voller Zitate von EU-Skeptiker*innen bzw. Populist*innen auseinander und sollten individuell entscheiden, welches der Zitate uns am Meisten aufregt und provoziert.

Zunächst in Kleingruppen, dann im Plenum besprachen, wir wie eine generelle Ablehnung der Europäischen Union und damit auch der Reisefreiheit zustande kommen kann. Ein allgemeines Bewusstsein muss geschaffen werden, dass der Abbau von innereuropäischen Grenzkontrollen uns in der Gegenwart enorme Vorteile bietet, als auch historisch eine große Bedeutung für das Zusammenwachsen der Europäischen Union nach dem zweiten Weltkrieg hat.

Um die physischen Mauern abzubauen, ist ein vielfältiger Austausch untereinander wichtig. Selbstkritisch und reflektiert sollten wir Aussagen und Vorurteile im Kopf abzubauen. Es bleibt zu hoffen, dass dann im nächsten Schritt die physischen Mauern folgen.

Bilder – von Alexander Löher, Lennart Zander und Leonie Geiger | pfingstAKADEMIE