Anti-Feminismus in der Neuen Rechten

Deutschland wird vielfältiger und bunter. Menschen kämpfen für Gleichberechtigung und sind im Feminismus vereint. Sie feiern immer wieder Erfolge, doch auch die Gegenströmung gewinnt an Zuspruch. In der Neuen Rechten werden anti-feministische Stimmen laut. Wie sehen diese aus? Und was kann man dagegen tun? Lies hier mehr!

Von Franziska (Feminismus ist für mich der Kampf für die Gleichberechtigung aller Geschlechter. In vielen Bereichen ist es ein Kampf für Frauen, in anderen ein Kampf für Homosexuelle und in manchen auch ein Kampf für Männer. Gleichberechtigung bedeutet, dass allen gleiche Rechte und Zugänge zu Bereichen der Gesellschaft gewährt werden – und mein Ziel ist es, zu helfen, diese zu schaffen oder zu erhalten.)

Eine junge Frau hält lächelnd ein Schild in die Kamera, darauf steht: „Ich bin keine Feministin, weil mein Mann mein Fels in der Brandung ist und nicht mein Klassenfeind.“ Gepostet wurde das Foto von der „Jungen Alternative für Deutschland“.

So Vieles ist hier falsch. So Vieles steht im Widerspruch mit dem, was Feminismus ausmacht. So Vieles zeigt, was in rechten Kreisen an Vorurteilen gegenüber Feminismus geschürt wird: Feminismus als Kampf gegen den „Klassenfeind“ – gegen Männer. Obwohl es doch eigentlich um Gleichstellung geht, darum, dass Männer, Frauen und alle anderen Geschlechter ihre Rechte haben und ausleben dürfen. Darum, dass jede*r wen immer als Fels in der Brandung haben kann – und lieben kann, wen er möchte. Und darum, dass wir alle gemeinsam für Gleichberechtigung einstehen.

In der rechten Szene sind viele Akteure unterwegs, die – mehr oder weniger – offensichtlich veraltete Frauenbilder hofieren. Oder wie sie es nennen: traditionelle Familienbilder vertreten und beschützen – gegen den „Gender-Wahn“. Dies tun sie oft sehr geschickt: hinter Slogans, die man nicht sofort im Verdacht hätte, dass sie von der rechten Szene instrumentalisiert werden.

Um so wichtiger ist es, über das Thema aufzuklären und Merkmale aufzuzeigen, an denen man anti-feministische Gruppierungen, Plakate und Veröffentlichungen erkennen kann. Auf der Pfingstakademie 2018 wurden im Workshop „Anti-Feminismus in der Neuen Rechten“ genau solche Themen aufgegriffen und problematisiert und verschiedene Beispiele von Demonstrationen, von Plakaten und online Kampagnen gezeigt und besprochen. Alle machten eines deutlich: Die Neue Rechte steht für ein Frauenbild, das nicht zeitgemäß ist – und das trotzdem in vielen Kontexten aufgegriffen wird.

Doch Anti-Feminismus ist ein Phänomen, das selten alleine auftritt: Oft findet eine Verschränkung mit Rassismus oder Sexismus statt, die die Problematik nur verschärft. Wenn beispielsweise ein Flyer mit „Für echte Frauenrechte“ wirbt, scheint dies zwar auf den ersten Blick bereits befremdlich, doch erst auf den zweiten und beim Lesen des Untertitels fällt auf, dass dieser ’Feminismus‘ Frauen vor sexuellen Übergriffen von muslimischen Migranten schützen soll. Dies als Feminismus zu bezeichnen, ist bereits verwerflich. Die Verknüpfung mit eindeutig rassistischen Inhalten bringt das Fass dann zum Überlaufen.

Am traurigsten ist, dass gerade die Frauen in der Neuen Rechten sehr offensiv traditionelle Frauenrollen verkörpern. Wenn eine Frau auf ihrem Instagram-Kanal in knallengem T-Shirt mit der Aufschrift „Women back into the kitchen“ posiert, wirkt dies sehr befremdlich. Weitaus subtiler sind die Frauen, die sich als fürsorgliche Mütter in Szene setzen und nur in den Kommentaren durchscheinen lassen, dass jedes Kind Vater und Mutter braucht, um gesund und glücklich aufzuwachsen – eine traditionelle Familiensituation eben. Dies überbetont nicht nur die Mutterrolle, sondern diffamiert auch alternative Familienkonzepte, wie gleichgeschlechtliche Paare mit Kindern oder Alleinerziehende.

Es scheint, in der Neuen Rechten herrscht eine gewisse Angst vor zu viel Vielfalt – und ganz Unrecht haben sie nicht: die Weit wird durchaus komplexer, wenn nicht mehr nur die traditionellen Familienmodelle im Mittelpunkt stehen, sondern neue Kategorien eröffnet werden. Plötzlich sind da nicht mehr nur Mann und Frau, sondern auch weitere Geschlechter. Und auch die Liebesverhältnisse werden vielfältiger – Heterosexualität wird ergänzt durch Homosexualität und viele weitere Beziehungen der Menschen mit- und zueinander. Die Gesellschaft wird zunehmend komplexer und dass manche Menschen demgegenüber Angst verspüren scheint verständlich. Ein Festhalten an traditionellen Konzepten scheint jedoch naiv und kurzsichtig. Die Welt wird komplexer, vielfältiger, bunter. Wir wissen nicht genau, wo es hingehen wird – aber spannend wird es auf jeden Fall. Und auch gerechter!

Wie also kann man Anti-Feminismus begegnen?
Die Botschaft aus dem Workshop: Akzeptiert nicht einfach, dass es diese Sichtweise gibt, sondern widersprecht und zeigt, wie unzeitgemäß diese Aussagen sind. Macht andere aufmerksam auf Plakate, die eindeutig Frauenfeindlich sind. Erklärt ihnen, wieso auch der unauffällige, kleine Sticker mit anti-feministischen Parolen am Laternenpfahl ein Problem ist. Tretet in Dialog und sprecht mit den Menschen, um sie zu überzeugen: Feminismus ist kein Klassenkampf. Es ist der Kampf um Gleichberechtigung, den wir alle gemeinsam kämpfen sollten.

Foto: spline splinson / Flickr.com (CC by 2.0)