Voting: Welche ist die beste wirtschaftliche Utopie 2015?

Jugendliche diskutieren zum Thema "Wie wir wirtschaften". Fotos: Julian Heck.

Jugendliche diskutieren zum Thema “Wie wir wirtschaften wollen”. Fotos: Julian Heck.

Die Fakten sind klar: “Wenn einer reich wird, wird ein anderer arm. Geld wird nicht neugedruckt, sondern nur umverteilt.” Wem aber steht was in der Gesellschaft zu? Damit beschäftigen sich die Teilnehmer*innen auf der Pfingstakademie 2015 im Workshop “Wie wir wirtschaften wollen”, moderiert von Jan Bergner (Youthbank). Von Euch möchten wir wissen, welche wirtschaftliche Utopie als Alternative zum Kapitalismus ihr am besten findet. Macht mit beim Voting!

Von Frederic Koch

“Kapitalismus – Ein Problem?!”

Bevor man die Frage beantworten kann, welche der wirtschaftlichen Utopien am besten sind, muss man zuerst einmal die grundlegenden Prinzipien des Kapitalismus verstehen. Moderator Jan Bergner stellte folgende Fakten vor:

  • An oberster Stelle steht die Marktwirtschaft. Diese wird nicht durch ein zentrales staatliches Organ gesteuert, sondern durch Angebot und Nachfrage. Der Markt reagiert also durch Impulse, was wiederum voraussetzt, dass es keine staatliche Kontrolle gibt auf die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen. Der Staat ist zwar ein wichtiger Akteur der Wirtschaft, dadurch, dass er die Wirtschaft in bestimmten Bereichen schützt, aber er gibt keine Vorgaben. Der Markt wird nämlich von den Konsumenten geregelt.
  • Ein weiterer wichtiger Aspekt des Kapitalismus ist auch der Privatbesitz, denn er setzt voraus, dass z.B. Fabriken in privater Hand sein können. Das Privateigentum wird auch wiederum durch den Staat geschützt. Der Eigentümer darf alle Entscheidungen treffen, wie z.B. Kündigungen von Mitarbeitern, muss sich dabei allerdings an minimale staatliche Vorgaben, wie z.B. das Privateigentum halten. Durch das Privateigetum hat jeder die Möglichkeit, am Kapitalismus teilzuhaben.
  • Der letzte zentrale Aspekt des Kapitalismus ist die Gewinnmaximierung. Der Kapitalismus ist ganz klar auf maximalen Profit und Wachstum ausgerichtet. Daher ist er in der Hand von einigen wenigen, die das größte Risiko tragen und andere als Arbeitnehmer einstellen.

“Aber was könnten eigentlich die Vor- und Nachteile des Kapitalismus sein?”, fragte Jan Bergner die Teilnehmer*innen:

  • Für den Kapitalismus spricht, dass durch die durch den Kapitalismus erzeugte Konkurrenz die Preisvielfalt gesteigert und der Wettbewerb gestärkt wird. Des Weiteren gibt es u.a. durch die soziale Durchlässigkeit eine größere Möglichkeit, sich, durch Aufstieg, selbst zu verwirklichen. Außerdem gibt es – nicht so wie in der DDR, wo man Jahrzehnte auf sein Auto warten musste, – einen großen Überfluss an Waren. Dieser Punkt spricht allerdings auch gleichzeitig wieder gegen den Kapitalimus.
  • Gegen den Kapitalismus sprechen jedoch noch mehr Punkte. Denn durch den starken Wettbewerb wird ein starker Leistungsdruck erzeugt, wodurch eine soziale Selektion stattfindet und das Prinzip “miteinander” wird durch “gegeneinander” ersetzt. Des Weiteren richtet sich das ganze Leben auf den Erfolg aus und ganze Lebensbereiche werden vermarktet. Weiterhin ist der, als positiv deklarierter Punkt, dass Waren im Überfluss verfügbar sind, ist jedoch nicht ausschließlich positiv, denn durch die Produktion von überflüssigen Waren wird unser Planet nur noch mehr verschmutzt. Im Kapitalismus zählt außerdem nicht das Mensch-sein, denn Pharmaunternehmen z.B. würden ein Medikament nicht produzieren, wenn nicht zu viele davon betroffen sind und es sich für das Unternehmen nicht rentieren würde.

Aternative Utopien x 3

Zum Schluss stellte Jan Bergner noch drei Alternativ-Modelle zum Wirtschaften vor:

  • Share Economy: Die Grundidee der Share Economy liegt darin, statt zu kaufen bzw. zu besitzen lieber zu teilen. Dies soll durch eine bessere Kommunikation in der Gesellschaft geschehen, was in Zeiten des Internets besonders gut funktioniert. Dabei ist das Ziel der Share Economy, der Konsumverzicht bzw. der partielle Verzicht sowie die Ermöglichung von Zielen außerhalb von finanziellen Möglichkeiten.
    Die Idee von Share Economy wird von Benedict noch einmal genauer in seinem Artikel “Share dich zum Teufel!” unter die Lupe genommen.
  • Bedingungsloses Grundeinkommen: Das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) existiert in vielen verschiedenen Variationen. Die Grundidee ist jedoch fast immer die gleiche: Die Mitglieder einer Gruppe erhalten regelmäßig einen gleichen Geldbetrag, der durch die jeweilige Gruppe finanziert wird. Das Ziel des BGEs ist die Existezsicherung, die soziale Teilhabe und die Selbstbestimmung.
  • Postwachstum: Das Postwachstum ist die theoretische Grundlage für gesellschaftlichen Wandel. Die Idee davon: Die Abkehr von der Wachstumsidee und die Neugestaltung der gesellschaftlichen Strukturen durch die Bündelung verscheidener Ideen. Dadurch soll eine bedürfnisorientierite Wirtschaft entstehen, die die natürlichen Ressourchen schützt.

Bei der Entwicklung von weiteren Alternativen muss immer das Handlungsdreieck von Mensch, Arbeit und Natur beachtet werden. Denn in diesem Handlungsdreieck bewegen sich alle Möglichkeiten und Konsequenzen. Es kann aber keine optimale Lösung geben, da immer mindestens einer drei Punkte außen vor bleibt.

Voting

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