Auf der sicheren Seite

Foto: Johannes Ammon / www.jugendfotos.de

Fußballevents, 1. Maidemos oder Karneval der Kulturen: all das sind Großveranstaltungen. Aber wie können sie friedlich ablaufen oder sich Ausschreitungen zumindest in Grenzen halten? Darüber wurde im Workshop „security / safety“ diskutiert. Was haben Sicherheitskonzepte aber mit der Energiewende zu tun?
Von Jonas Krüger 16 Jahre, geht in Berlin zur Schule

Man kann sich Safety and Security wie ein Immunsystem im Körper vorstellen: Security ist der aktive Teil, der den Körper von außen vor Gefahren schützt, Safety hingegen der passive Part, der ihn von innen heraus vor Unfällen bewahrt.

Aber was muss man bei der Planung einer Großveranstaltung beachten? Das ist die zentrale Frage, die im Workshop „safety and security“ diskutiert wird. Zehn Teilnehmende warten an diesem sonnigen Morgen gespannt auf Lösungsvorschläge. Die Referenten Prof. Marcel Kuhlmey und Annekathrin Enke informieren über Vorschriften, Richtlinien und Konzepte zur Sicherheit. Schnell wird klar: Es gibt unzählige rechtliche Vorschriften, an die man sich bei der Planung halten muss – wie beispielsweise von Jugendschutzgesetz über Waffengesetz bis hin zum Grundgesetz und anderen. Die wichtigsten Punkte, die man bei der Planung beachten sollte, wurden den Teilnehmenden des Workshops „safety and security“ mit Hilfe einer Präsentation näher gebracht.

Dann ging es ans Eingemachte: Die Teilnehmer sollten selbst ein Konzept erstellen. Wie geht das? Behörden, denen man ein eigenes Konzept als Veranstalter vorstellen muss, wollen im Grunde das komplette Sicherheitskonzept schwarz auf weiß auf dem Tisch haben – egal ob es um den Abi-Ball oder „Rock am Ring“ geht. Prof. Marcel Kuhlmey und Annekathrin Enke stellten die wichtigsten Punkte für ein Sicherheitskonzept vor: Erstens müssen Anwohner über die Veranstaltung in Kenntnis gesetzt werden. Zweitens sollten Besonderheiten geklärt werden, wie zum Beispiel mit Rollstuhlfahrern umgegangen wird. Drittens sollten sicherheitsrelevante Akteure wie zum Beispiel Sanitäter, Polizei, Feuerwehr und Sicherheitsdienst vor Ort sein. Viertens muss eine Kommunikation zwischen den Sicherheitsakteuren über Funk oder Handy stattfinden. Und fünftens sollten einige Hinweise folgen, so beispielsweise auf Sammelstellen für Kinder.

Aber – was hat das mit der Energiewende zu tun? Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema, wenn es darum geht, effizient und verantwortungsbewusst mit Energie umzugehen. Daher können ökologische Überlegungen bei der Planung eine Rolle spielen. „Man sollte ein Sicherheitskonzept für die Natur entwickeln, damit die Natur im Sinne der Energiewende geschützt wird“, sagt Esther Chase, 20 Jahre aus München und Teilnehmende des Seminars. Damit kann etwa Energie eingespart werden, wenn im Vorfeld Maßnahmen berücksichtigt werden. Ansonsten konnten die Teilnehmenden den Zusammenhang zwischen Sicherheitskonzepten und der Energiewende nicht herstellen. So wurde über diesen Zusammenhang im Seminar gar nicht gesprochen.

Auf Nummer sicher gehen

Verwunderlich ist das nicht, weil es laut dem Seminartitel um die Sicherheit bei Großveranstaltungen ging. Das Seminar war sehr gut, dennoch hätte man Bezug zu Sicherheitskonzepten in puncto Energiewende nehmen können. Denn: Kann es eine absolute Sicherheit für Atomkraftwerken geben? Kernkraftwerke sind gewiss kein Ponyhof und die Sicherung von Atomtransporten keine Großveranstaltung. Aber der Ausstieg aus der Kernenergie ist ein Großprojekt und kommt einer Großveranstaltung gleich. Alle müssen mitwirken, wenn es um den Ausstieg aus der Kernenergie und folglich auch um die Energiewende geht. Wird Atommüll beispielsweise durch ganz Europa verfrachtet, braucht es Sicherheitskonzepte. Oberstes Ziel muss es sein, das Leben, die Gesundheit und Sachgüter vor den Gefahren der Kernenergie und dessen Auswirkung zu schützen.

Wie gelingt das? Jährlich werden zahlreiche Polizeibeamte – 20.000 im Jahr 2010 – für die Sicherung von Atomtransporten eingesetzt. Das kostet den deutschen Steuerzahler weit mehr als 50 Millionen Euro. Nach Angaben der taz gibt es aber keine absolute Sicherheit und Sicherheitstests sind unzureichend. Teilweise sind es sogar nur Berechnungen zur Sicherung von Castoren: Ein 30 minütiger Brand von 800 Grad und ein Sturz aus neun Metern Höhe werden als Unfallszenarien zugrunde gelegt, und die Behälter dürfen keinen nennenswerten Schaden erleiden. Kritiker sehen diese Maßstäbe bis heute als absolut unzureichend an. Bislang gibt es auch kein deutschlandweites Sicherheitskonzept. Vielmehr haben in den letzten Jahren Einschüchterungstaktiken von Seiten der Polizei bei Anti-AKW-Protesten zugenommen. Auch bei der Sicherung von Atomkraftwerken gibt es keine absolute Sicherheit, auch wenn man versucht, sie so sicher wie möglich zu machen. So sind die Sicherheitskonzepte in AKWs in verschiedenen Ebenen von eins bis fünf gestaffelt. Die ersten drei Ebenen sollen Störungen und Störfälle vermeiden und die Situation beherrschen. Die vierte Ebene dient zur Begrenzung der Auswirkungen von Unfällen. Durch die letzte und fünfte Ebene werden Maßnahmen zur Unterstützung für die zuständigen Behörden des Katastrophenschutz getroffen.

Ausgeklügelte Sicherheitskonzepte für AKWs sind wichtig – zumindest so viel steht fest. Und wir sollten alle hoffen, dass sie im Ernstfall das Schlimmste verhindern können. Wünschenswert wäre es selbstverständlich, wenn bei den AKWs nie ein Sicherheitskonzept greifen muss.

Im Seminar hat das Sicherheitskonzept sehr gut funktioniert. Es verlief ruhig und es gab keine Auseinandersetzungen, Schlägereien und auch keine Verletzten, aber hey – was nicht ist, kann ja noch werden. Spätestens dann sollte das Sicherheitskonzept Wirkung zeigen!

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Über Andi Weiland

Jahrgang 1985, Studium der Politik- und Kommunikationswissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Langjährige Erfahrungen im Bereich der Jugendarbeit und Förderung von NachwuchsjournalistInnen. Vorstand der Jugendpresse Deutschland e.V. und Verantwortlicher der Medienprojekte „politikorange“ und „Jugendmedien.de“. Beschäftigt sich mit Technikphilosophie und betreibt mit ohrenflimmern.de sein eigenes Blog. Seit 2010 Gastredakteur der Berliner Gazette.