Protest gleich Gewalt?

So kuschelig das „Kreative“ im Workshoptitel „Kreativer Protest“  klingt, so politisch ging es dort in Wirklichkeit zu. Denn Schilder hochhalten ist längst nicht die einzige Form von Protest, der Übergang zu Gewalt fließend – und schnell ist man bei der Frage, wie (il)legitim etwa eine Sitzblockade ist.

Von Lorenz, hat natürlich noch keinerlei Erfahrung mit Gewalt bei Protesten gemacht.

Es geht um Gewalt – und dabei könnte es hier im Theatersaal nicht friedlicher zugehen. In kleinen Gruppen ringen jeweils drei junge Menschen um die richtige Zuordnung. „Panzer anzünden“ – ist das Gewalt oder nicht? „Torte auf Beatrix von Storch“ – eine gewalttätige Aktion? Und wie vertretbar sind beide Beispiele?

Nur drei Menschen im Stuhlkreis – aber drei verschiedene Meinungen. Auf dem Flipchart am Boden sind noch mehr Beispiele aufgeführt: Graffiti sprühen? Unterschriften sammeln? Nach einer Aktion weglaufen? Daneben die Kriterien zum Ankreuzen: Gewalt: ja oder nein? Sinnvoll ja oder nein? Manchmal sind die Kreuze schnell gesetzt, dann wieder bricht Klärungsbedarf auf.

Gewalt? Ja oder nein? Foto: Lorenz Seibl

Immer wieder auffällig: Die Diskussion ist kontrovers, aber fair. Alle kommen zu Wort. Argumente werden ausgetauscht. Man einigt sich vielleicht nicht – aber deshalb entsteht noch lange kein gewalttätiger Streit. Über Gewalt reden, so gewaltfrei wie nur denkbar – das ist offenbar möglich. Kann man aus diesem Paradoxon lernen?

Noch komplexer dürfte es werden, wenn in friedlicher und gleichberechtigter Diskussion die Entscheidung gegen oder eben auch für eine Aktion gefällt wird, die als Gewalt definiert werden könnte. Vielleicht ist dieser friedliche Ausgangskontext die notwendige Voraussetzung – sich im vertrauten Umfeld Sicherheit und Bestätigung holen, um dann die Komfortzone zu verlassen und politisch aktiv zu werden. Sich etwas zu trauen ist ja schon für die Teilnahme an einer Demo oder für Flyer-Verteilen erste Voraussetzung.

Das Zusammenspiel von Frieden und Gewalt als Grundlage für politische Veränderung – um das zu beobachten, hat heute ein Blick in einen Workshop auf der Pfingstakademie 2017 genügt.

Titelbild „Polizei“ von Montecruz Foto (CC BY-NC 2.0) / Flickr