Sieht hier irgendjemand ne Europafahne?! Der #ESC2016

Es fügt sich jedes Jahr aufs neue, dass am Wochenende der Pfingstakademie Jugendbeteiligung auch der Eurovision Song Contest stattfindet. Mit Bier und Apfelschorle haben wir beim Public Viewing auf Twitter gespickt, ob Veranstaltungen wie der ESC die europäische Identität fördern, fordern oder überfordern.

Von Benedict Lang und Valentina Schüller (haben beide viel zu wenige Twitterfollower, sodass ihre lustigen Gedanken auf Twitter niemanden erreichen. Deshalb versuchen sie jetzt hier, witzig zu sein.)

Zu Beginn dieses Artikels möchten wir die Gelegenheit nutzen und der Gewinnerin des ESC 2016, Jamala, herzlich zum Sieg gratulieren. Wir schließen uns den blumigen Worten des Auswärtigen Amtes an und teilen die bittere Enttäuschung über das doch eher missliche Abschneiden des deutschen Teams.

Um uns der Frage anzunähern, wie und ob der Eurovision Song Contest eine gemeinsame Europäische Identität bei der Bevölkerung stiften kann oder eben nicht, haben wir uns in die 5,6 Millionen Tweets gestürzt, die unter dem Hashtag #eurovision auf Twitter gepostet wurden. Wieso ausgerechnet Twitter? Erstens machen das zur Zeit alle irgendwie und zweitens finden wir, dass Jana Kupfer einfach total Recht hat:

Dabei lassen wir uns auch von Nils nicht abschrecken, der uns schon vorher prophezeit, dass uns auf unserer Suche nach Antworten auf die Frage der europäischen Identität ein steiniger Weg bevorsteht:

Doch wie jede Reise starten auch wir positiv und voller Euphorie und Vorfreude. Max bekommt Gänsehaut, wenn er die ESC-Hymne hört, wir bekommen Gänsehaut, wenn Max Gänsehaut bekommt. Europäisches Gemeinschaftsgefühl: na bitte, here u are:

Insider-Tipp für die Acts, bevor es losgeht: Es kümmert sowieso niemanden, wie ihr singt, in Wirklichkeit tritt sowieso Merkel gegen den Rest Europas an – meint zumindest Matt Navarra:

https://twitter.com/MattNavarra/status/731591640310251520

Wenn ihr jetzt Tweets von währenddessen erwartet, müssen wir euch leider enttäuschen. Erst einmal sind nämlich Outfit und “Qualität” der Performance so wichtig, dass für europäische Gedanken und Tweets leider kein Platz mehr ist.

Hier könnte dein Tweet stehen, wenn du während des #ESC2016 deine Meinung zu europäischen Themen abgegeben hättest.

Sooo aber jetzt wird es spannend. Die Acts sind durch und das Voting beginnt. Twitterthema Nummer eins ist das neue Votingsystem – Peter Urban hat es leider bis zum Schluss nicht ganz verstanden – war aber auch kompliziert:

https://twitter.com/Maori/status/731602707983814656

Endlich sind die Telefonleitungen geschlossen, die Spannung steigt ins Unermessliche und Moderatorin Petra Mede ist schon “sooo excited to hear the twelve points” der 42 Staaten. Jeder einzelne der 4872 Punkte, von denen die Hälfte durch die Jury, die Hälfte durch das Televoting vergeben werden, ist dabei hart umkämpft. Auch politische Dimensionen scheinen, – wie bereits weiter oben befürchtet – eine große Rolle zu spielen.

Schuld für den deutschen Misserfolg ist jedenfalls nicht #JamieLee. Nicht nur Peter Urban ist der Meinung, sie habe “echt einen tollen Job” gemacht. Die Twitter-Community weiß, wer die Verantwortung tragen muss: Angela Merkel mit ihrem “unverantwortlichen Umgang mit der Flüchtlingskrise”, war ja eh klar oder? Die These bekommt auch internationalen Support.

Matthias findet das eher nicht so gut und möchte die Menschen, die Sachen mit Merkel und Politik twittern, lieber weg haben, damit er sie nicht mehr sehen muss und irgendwie werden die dann bestimmt auch wieder vernünftig werden – also so verstehen wir zumindest seinen Tweet.

Wir hätten uns gewünscht, dass Angie früher schon auf #KönigHorst gehört hätte, dann würde der #ESC2017 nämlich ganz sicher wieder in Berlin stattfinden – also wirklich ganz sicher:

https://twitter.com/WernerDoye/status/731612275799429120

Diese Tweets erzeugen ein gutes Bild davon, wie ausgeprägt die europäische Identität der Twitterer ist. Nämlich überhaupt gar nicht. Nahezu alle Tweets – zumindest in unserer deutschen Timeline, der Rest wird uns von Twitter eh weggefiltert – beschäftigen sich einzig und allein mit nationalen Belangen. Ob Max wohl immer noch Gänsehaut hat? Und wenn ja, weshalb?

NyvOling hat das schon vorausgesehen und schon während des Ersten Halbfinales nach mehr Europa verlangt:

https://twitter.com/NyvOling/status/730136518837309440

Doch dann werden die Punkte verkündet – und Erschütterung macht sich breit.

https://twitter.com/Tanja89_/status/731656877570990081

Selma war nicht die einzige, die in der unmittelbaren Gefühlslage erst einmal über Fußball nachgedacht hat. Nicht unüblich ist auch das “Festklammern-an-Nationalen-Erfolgen-Syndrom” unter dem offensichtlich auch Spurkel und anny leiden:

https://twitter.com/annythesen/status/731626960359698434

Das Fazit zur europäischen Identität fällt also insbesondere in unserer deutschen Timeline sehr spärlich aus. Internationale Tweets lassen sich schwer beurteilen, da sie es fast nicht in unsere Suchergebnisse nach den gängigen Hashtags geschafft haben. Wir freuen uns aber über Robert Robinson, der offensichtlich eine Vision hat von Europa – also quasi eine Eurovision.

Abschließend ist es doch schon auch so, dass der ESC immer noch viel besser ist als vieles andere. Germanys Next Topmodel zum Beispiel. Oder der Klang von Bomben ist auch nicht so gut wie der ESC, beschreibt Matthew Ward ziemlich treffend:

https://twitter.com/HistoryNeedsYou/status/731557424625258496

Vielleicht sollten wir das mit dem europäischen Gedanken auf dem ESC auch nicht überbewerten. Wir warten mit extra3 gemeinsam auf die nächste Folge vom Neo Magazin Royale und sind gespannt, welche Performance denn nicht von Jan Böhmermann organisiert war. Ein versöhnliches Ende für ein aus europäischer Sicht ernüchterndes Ereignis.

https://twitter.com/extra3/status/731561828472475648

Bildquelle: Eurovision