Flashmobs sind ausgelutscht
Eine erfolgreiche Kampagne zu planen ist schwierig. Eine erfolgreiche Kampagne durchzuführen ist schwieriger. Welche Schritte man beachten muss und warum Flashmobs nicht mehr das sind, was sie mal waren. Tipps und Tricks rund um Campaigning. Von Julian Heck

Ganze 3000 Werbekampagnen begegnen jedem von uns – täglich. Es ist also gar nicht möglich, sich all das zu merken und zu verarbeiten, was uns Botschaften vermitteln wollen. Wenn wir es uns ehrlich eingestehen, wissen wir bei der zweiten Werbeunterbrechung schon nicht mehr, was uns im ersten Werbespot angepriesen wurde. Umso wichtiger ist es also, Kampagnen so zu planen und durchzuführen, dass die Zielgruppe der Botschaft physisch und psychisch nicht mehr ausweichen kann, immer wieder damit konfrontiert wird. Nachvollziehbar ist es daher, dass ausschließlich Plakate an Litfaßsäulen weder sehr öffentlichkeitswirksam sind noch als Kampagne bezeichnet werden können.
Laura Valetukeviciute kann mehr als eine Litfaßsäule. Auf der Pfingstakademie leitet sie zusammen mit Charlotte Ostermann und Benjamin Schneider die Werkzeug-AG „Campaigning – Von den Grundlagen zur konkreten Ehrenamts-Kampagne“. Die Doktorandin in Sozialwissenschaften und erfahrene Campaignerin plant unter anderem die Kampagne zur Offenlegung der Berliner Wasserverträge, organisiert von der Initiative „Gemeingut in Bürgerhand“ (GiB). Und hier am Wannsee sollen die Teilnehmer Kampagnen planen.
Wenn man sich darauf geeinigt hat, eine Kampagne zu starten, dann stehen viele erst einmal vor einem scheinbar unlösbaren Rätsel. Hier gilt: Ruhe bewahren. Mit Laura Valetukeviciutes gebotenem Überblick über die Organisation und Durchführung einer Kampagne findet man erste Ansatzpunkte. Anhand einer ausführlichen Power-Point-Präsentation stellt die Referentin die sieben Phasen einer Kampagnenplanung vor: Ausgangslage, Analyse, Zieldefinition, Strategieentwicklung, Maßnahmenplanung, Maßnahmenrealisierung, und wichtig, die Evaluation.
Die Aufmerksamkeit bei Valetukeviciute Wasserverträgekampagne wurde zuvor dadurch erregt, dass zunächst in ganz Berlin Zettel mit der Aufschrift „Wollt ihr wissen“ aufgehängt wurden, ohne weitere Informationen. Erst später entpuppte sich das als Kampagne für die Bürger . Mehrere kurze Filme, in denen der Slogan „Wollt ihr wissen“ aufgegriffen worden ist, wurden gedreht. Hier eines der Videos:
Eine Reihe von logisch aufeinander folgenden Aktionen sind Bestandteil einer guten Kampagne. Welche Aktionen ausgewählt werden, sollte dann gut überlegt sein. Flashmobs seien ausgelutscht und schon zu oft gemacht worden, meint Charlotte Ostermann von der Servicestelle Jugendbeteiligung. „Ein Straßentheater hingegen finde ich kreativ und etwas Neues“, sagt sie motiviert. Diese Methode möchte die Servicestelle als Auftakt für ihr Jahresprogramm 2012 verwenden, um Aufmerksamkeit für ihre Vorhaben zu bekommen.
Und was sind jetzt die ultimativen Tipps? Charlotte Ostermann rät:
1. Niemals als Einzelkämpfer agieren, weil gemeinsam erreicht man mehr!
2. Nur auf ein Ziel, ein Thema beschränken, also fokussieren!
3. Messbare Ziele festlegen. Schlecht wäre es doch, wenn man in nur vier Monaten die Anerkennung für jugendliches Engagement steigern wollte. Unrealistisch…
Keine Kommentare



