Elena Eifer ist ein engagiertes Mädchen. Blonde Locken, breites Lächeln, immer in Bewegung. Sie beteiligt sich an der SV-Arbeit an ihrer Schule, macht sich stark bei der Hausaufgabenhilfe, ist Trainerin im Sportverein. Elena macht so einiges. Findet in der Nähe eine Demo gegen Atomkraft statt, ist sie mit dabei. Läd das Wannseeforum zur Pfingstakademie, macht sie sich auf nach Berlin. Hagen Unbe tickt da ganz anders: Chronisch unzufrieden und frustriert. Um ihn zu vollends demotivieren reicht es schon, wenn er in einem der unzähligen, meist aussichtslosen Förderanträge für seine Projekte das Kästchen “Name, Vorname” eintragen muss und dann nur Unbehagen liest. Dabei könnte doch eigentlich alles so schön sein. Ein Streitgespräch von Henrike Hohmeyer

Elena: „Hey Hagen, die Pfingstakademie war toll. Ich habe so viele neue, engagierte junge Menschen und ihre Projekte kennengelernt. Da soll noch mal jemand sagen, die Jugend sei faul und uninteressiert.“
Hagen: “Laura! Deine Übermotivation nervt. Also mittlerweile gehöre ich auch zu den faulen, uninteressierten Menschen. Bringt doch eh alles nichts.“
Elena: „Mit so einer Einstellung kann das auch nichts werden.“
Hagen: „Erinnerst du dich noch an unser Jugendparlament hier in der Stadt? Ich war Feuer und Flamme dafür. Ich dachte, jetzt könnte ich etwas verändern. Jetzt würde meine Meinung gehört. Doch diese ganze komplizierte Bürokratie stülpte sich über mein Engagement wie eine Löschdecke. Mein anfängliches Feuer wurde ganz einfach erstickt. Das war richtig frustrierend.“
Elena: „Klar ist es deprimierend, wenn man von den Politikern ein Mal im Monat angehört, aber nicht ernst genommen wird…“
Hagen: „Aber das ist ja noch längst nicht alles. Es ist ja nicht so, dass ich nach einem Dämpfer gleich die Flinte in’s Korn werfen würde. Weißt du nicht mehr letzten Sommer? Als ich im Jugendzentrum ein Geocaching-Projekt starten wollte? Kinder und Jugendliche in Bewegung bringen, draußen, in der Natur. Tja, da der Etat für Jugendarbeit schon wieder gekürzt wurde, war für meine Idee kein Geld mehr über. Ich kann ja wohl schlecht zehn GPS-Geräte selbst bezahlen.“
Elena: „Aber es gibt doch auch Fördermöglichkeiten…“
Hagen: „Als ob ich das nicht schon versucht hätte. Früher war das kein Problem. Da habe ich eine Seite ausgefüllt und zügig vom Staat Unterstützung bekommen. Heute sind die Anträge ewig lang, kompliziert, unverständlich. Hat man sich dann trotzdem durchgekämpft, dauert es ein halbes Jahr bis man mal etwas Geld sieht. Ich wollte das Projekt zeitnah anbieten. Geocaching im Schnee ist total sinnlos.“
Elena: „Stimmt schon. Aber wenn du bei deiner Kommune nicht weiterkommst, dann such nach anderen Wegen. Schau dir mal die Homepage der YouthBank an. Oder du googlest mal Fundraising – eine spannende Möglichkeit, sein Projekt zu finanzieren. Die Geocaching-Idee ist wirklich super, lass dich nicht entmutigen. Engagement darf nicht automatisch an finanzielle Interesse gekoppelt sein.“
Hagen: „Ja, das ist klar. Wenn man auf Geld aus ist, braucht man sich nicht ehrenamtlich engagieren. Dann sollte man lieber eine Ausbildung bei der Bank anfangen. Trotzdem muss das ganze ja auch Spaß machen. Als ich versucht habe die Jugendarbeit bei uns im Schützenverein voranzubringen, wurde mir gleich das ungeliebte Amt des Schriftführers aufgedrückt. Die haben mich da einfach so reingeredet, Ich wolle mich ja schließlich engagieren.“
Elena: „Das ist ja richtig daneben. Aber vergiss doch einfach mal die ganze klassische, schnöde Vereinsarbeit, für die man jahrelang verpflichtet wird. Es gibt unzählige NGOs, bei denen man mit punktuellen Aktionen viel erreichen kann. Schon mal was von Viva Con Agua gehört?“
Hagen: „Ja klar, für die spende ich auf Festivals immer mein Becherpfand. Für die könnte man sich ja echt mal intensiver einsetzen.”
Elena: „Eine andere Möglichkeit wäre zum Beispiel in der Schule eine AG anzubieten.“
Hagen: „Nach dem Unterricht noch länger da bleiben? Nä, da sitze ich doch eh schon den ganzen Tag.“
Elena: „Dann schlag doch bei euch das Projekt der Evangelischen Schule Berlin Zentrum vor. Dort haben die Schüler jeden Donnerstag Zeit, sich zu engagieren.“
Hagen: „Das klingt nach einer interessanten Idee. Allein ist es immer so schwierig sich aufzuraffen und das passende Ehrenamt zu finden. Aber mit meinen Freunden zusammen hätte ich schon Lust. Und von der Schule und den Lehrern wird man dann ja auch bestimmt unterstützt.“
Elena: „Ja genau! Ich mach mich jetzt mal auf den Weg. Heute ist die große Nachbarschaftsaktion zur Sanierung unserer Straße. Da waren ja so viele Schlaglöcher, dass ich mir schon zweimal einen Acht in den Reifen gefahren habe. Und weil die Stadt sich einfach nicht kümmert, gibt’s jetzt ne Bürgerinitiative. Ein perfektes Beispiel für das Ziel Betroffene zu Beteiligten zu machen. Wir meckern nicht nur, wir machen.“
Hagen: „Aber in diesem Fall ist deine Begeisterung ja wohl völlig unangebracht. Betroffenen zu Beteiligten machen, schön und gut, aber da wo das ehrenamtliche Engagement die eigentlichen Aufgaben der Stadt ersetzt, hört’s dann auf. Solche Initiativen sind doch kein Grund zu Freude und Lob. Ist schon ganz cool, dass ihr so etwas auf die Beine stellt. Aber eigentlich zeigt das ja nur, was für krasse Missstände herrschen. Ehrenamtliche müssen sich doch nicht die Pflichtaufgaben anderer übernehmen, nur weil diese sie versäumen. Wo führt das denn hin?“
Elena: „Mmh, so hab ich das noch nie gesehen. Irgendwie ist da was dran. Trotzdem freue ich mich, dass endlich etwas passiert.“
Hagen: „Ich will deinen Elan auch überhaupt nicht bremsen. Generell finde ich es gut, etwas bewegen zu wollen. Aber man muss sich gut überlegen, wie und wo man sich engagiert, damit man wirklich etwas erreicht und auch den Spaß an der Sache behält.“
Wirklich schön geschrieben. Kompliment! Bei den letzten Zeilen musste ich schmunzeln und an “Die Ärzte” denken:
“Ich will deinen Elan doch überhaupt nicht dämpfen
Wenn du etwas willst, musst du darum kämpfen
Nur eines versprichst du mir: Bleib immer du selbst und bleib bei dir”
diese kleine geschichte finde ich wirklich lustig…lese und sehe diese aber aus einer privaten zwei personen perspektive die die es real gab. ich war hagen
wir sind und bleiben die, die kämpfen andere haben es leichter! am anfang nie undemotiviert dennoch zerschlagen..und ausgepowert.werte zaehlten und zaehlen nie.