Verhandlungsführung – die hohe Kunst der Diplomatie
Die Pfingstakademie macht es durch ihr vielseitiges Programm jungen Menschen möglich, Fähigkeiten zu erlernen und reicht ihnen die Werkzeuge für eine spätere Karriere zur Hand. Wirklich spannende Dinge fanden im Seezimmer statt, wo PR-Consultant Steffen Schilling über Verhandlungsführung referierte. Die Umsetzung widersprach dem trockenen Titel.
Von Meiken Hindenberg
„Alle Kriege enden mit Verhandlungen.Warum also nicht gleich verhandeln?“, fragte einst der indische Politiker Nehru. Weise Worte, die es umzusetzen gilt: Will man eine Verhandlung führen, begibt man sich auf ungewohntes Terrain. Das eigene Ziel zu erreichen ist dann gar nicht so einfach. Es gilt, viele Faktoren im Blick zu haben, will man erfolgreich sein. Sicherlich gibt es kein Patentrezept für Durchsetzungsvermögen, aber die Forschung und Psychoanalyse ist auf diesem Gebiet schon weit vorangeschritten.
Jeder könnte besser sein
Die Vorteile der iGeneration scheinen unerschöpflich: weltweite Vernetzungsmöglichkeiten, Informationsfülle soweit der Satellit reicht. Ein gar nicht zu verschweigender Nachteil liegt vielleicht aber auch in der Realität, im wirklichen Menschsein. Die Begeisterung der unbeschränkten Möglichkeiten münzt sich um in einen überfüllten Arbeitsmarkt.
Viele Bewerber auf wenig Stellen, so lautet die Prognose der Wirtschaftsmagnaten. Da steigt der Druck, die Karriere gerät ins Wanken. Es sei denn…du bist hervorragend! Selbstmarketing heißt die Lösung. Ein eigenes Profil muss her, poliert auf Hochglanz. Ein Ratgeber gibt den jungen Arbeitssuchenden folgende Tipps: 1. Führen Sie eine Selbstanalyse durch; 2. Definieren Sie ihre Ziele; 3.Werden Sie selbst aktiv; 4. Kontaktpflege; 5. stimmiger Onlineauftritt. Da ist es fast lohnenswert einen Persönlichkeitsberater anzustellen.
Bill Clintons Selbstanalyse: mangelhaft
Es war auf eine Art beruhigend zu sehen, dass selbst hochrangige Politiker unter menschlichen Schwächen leiden – Fallbeispiel Bill Clinton. Der würde vom Haaransatz bis zur Kiefermuskulatur von Verhaltensforschern geprüft, das in einer äußerst prekären Situation – es ging um seine Affaire Monica Lewinsky. Bill Clinton dazu: „I never had sexual relations with that woman“. Das ist eine Lüge, abzulesen an Clintons Gesicht.
Mikromimiken nennt der Psychologe solche Regungen im Gesicht von weniger als einer Sekunde, die Clinton als Lügner entlarven. Eine spannende Wissenschaft, da der Mensch mehrere tausend Befindlichkeiten in seinem Gesicht zum Ausdruck bringen kann. Präsident Clinton beißt sich unentwegt auf die Unterlippe, ein Zeichen tiefsten Unwohlseins. Wenn man nicht zur Schauspielelite gehört, ist es unmöglich menschliche Regungen hinter Professionalität verschwinden zu lassen. Dasselbe gilt in der direkten Verhandlung.
Ehrlichkeit währt am längsten
Natürlich ist es ratsam, seine Qualitäten zu kennen und diese gekonnt herauszustellen. Man sollte ein guter Selbstbeobachter sein und auch die eigenen Schwächen nicht unterschätzen. So kann aus Unflexibilität Zielgenauigkeit werden. Erlogene Kompetenzen müssen auf facebook nicht verteidigt werden und sind schnell in die Tastatur getippt. Der Personalchef wird das kommunikative Organisationstalent im Vorstellungsgespräch aber schnell als maulfaule Couchpotato enttarnen.
Authentizität stellt sich am besten aus, wenn man weiß, wer man ist und was man will. Sponsoren sind zu gewinnen, wenn man das eigene Projekt mit Überzeugung präsentiert. Die Annahme, dass technikaffine Jugendliche auch so perfekt wie ihre Computer sein müssten, erweist sich als falsch. Der Chip, der alles weiß und kann, fehlt bislang in unseren Gehirnen. Und so ist jede Verhandlung eine Herausforderung für sich. Menschenkenntnis braucht man, das steht aber selten im Bewerbungsschreiben.
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