Zukunft schneller als gedacht
Kommunikation auf Augenhöhe: Wie verändern sich Partizipation und Öffentlichkeitsarbeit durch das Web 2.0? Darüber diskutierten Jugendliche auf der Pfingstakademie. Alles wird leichter, einfacher wird nichts.
Von Ceyhun Yakup Özkardes
„Der Erfolg von Barack Obama im US-Wahlkampf ist größtenteils auf das Web 2.0 zurückzuführen“, sagt Sophie Scholz, Projektleiterin von Social Bar, einer Internet-Plattform aus Berlin, die sozial Engagierte vernetzen will. Noch nie zuvor konnte ein Politiker so viele junge Menschen für einen Wahlkampf mobilisieren wie Obama. Wie hat das funktioniert? Wie kann man Jugendliche über das Internet erreichen? Social Bar beschäftigt sich mit diesen Fragen und will wissen, wie so genannte „social media“ die Gesellschaft verbessern können.
Partizipation 2.0: Mit einfachen Mitteln viele Leute erreichen
Es ist 15.00 Uhr, sieben TeilnehmerInnen schauen gespannt einen YouTube-Clip, der veranschaulicht, wie man das Web 2.0 für soziale Aktionen benutzen kann:
Sophie Scholz leitet das Seminar „Partizipation und Öffentlichkeitsarbeit über das Web 2.0“, das am 23. Mai 2010 auf der Pfingstakademie im Berliner wannseeFORUM stattfindet. „Heute kann jeder mit einfachen Mitteln sehr viele Leute erreichen“, sagt Alfred, 21 Jahre jung und Teilnehmer des Seminars.
Junge Menschen wollen sich vermarkten, ihr Projekt vernetzen und Kontakte knüpfen. „Aber nicht nur Jugendliche und sozial Engagierte nutzen social media, vor allem auch große Firmen“, sagt die 23jährige Yenny, eine weitere Seminarteilnehmerin.
Die Zeiten ändern sich
Die Zeiten ändern sich. Früher engagierten sich junge Menschen vorwiegend in Parteien, waren in einem Verein oder Verband aktiv und arbeiteten vor allem langfristig an Projekten mit. Heute sind die Menschen mobiler und in kurzfristige oder befristete Projekte einbezogen. Genau das macht sich Social Bar zunutze: Sophie Scholz und Mitarbeiter stellen engagierten Menschen Mittel für ihre Projekte zur Verfügung. „Wir bieten unser Wissen an, um andere zu unterstützen“, sagt Scholz. „Rahmenbedingungen werden geschaffen, damit gute Ideen nicht an mangelnden Möglichkeiten scheitern“.
Dialogorientiert, auf Austausch bedacht
Nicht nur die Mobilität hat sich verändert, die Kommunikationsmittel sind heute insgesamt andere. Durch den technischen Wandel kommunizieren wir schneller, Arbeitsformen haben sich neu strukturiert, der Informationsfluss ist breiter aber auch kurzlebiger. Das hat Auswirkung auf die Öffentlichkeitsarbeit, die sich zunehmend ins Internet verlagert. Scholz vergleicht alte Formen der Öffentlichkeitsarbeit mit einem großen Megaphon, über das früher vorwiegend Botschaften vermittelt wurden. Heute dominieren soziale Netzwerke via Internet, Twitter, Facebook und und und. Social Bar setzt an diesem Punkt an: Sie agieren mit ihrer Zielgruppe auf Augenhöhe, gehen auf Wünsche und Bedingungen ein. Öffentlichkeitsarbeit funktioniert hier nicht einseitig von oben nach unten, sondern dialogorientiert – auf Austausch bedacht. Öffentlichkeitsarbeit von und für jeden.
Alles ein Fortschritt?
Alles ein Fortschritt? Einerseits kommunizieren wir mittlerweile direkt und auf Augenhöhe, andererseits werden langfristige Bindungen brüchig, Kontakte werden unpersönlich, ungezwungener, aber auch unverbindlicher. Zu viel Fortschritt auf einmal kann die Menschen auch verunsichern. Der Wahrheitsgehalt kann zugleich unter dem schnellen Informationsfluss leiden, sichere Quellen gehen verloren.
Unsere Welt, unsere Zukunft
Und trotzdem: Wir kommen um die neuen Medien nicht herum, das ist unsere Welt, sie bestimmen unsere Zukunft. Der Einfluss der verschiedenen social media ist in den Ländern noch sehr unterschiedlich. In Amerika jedenfalls haben sie einen Kandidaten zum Präsidenten gemacht, inwieweit das in Deutschland möglich ist, wird sich noch zeigen.
Keine Kommentare


