Mission Löcher stopfen

Motivation und Betreuung von neuen MitstreiterInnen: Was ist für unser Projekt charakteristisch? Wofür stehen wir? Wo sind unsere Problemfelder und wie gewinnen wir trotzdem neue Mitarbeiter? Die AG „Motivation und Betreuung von neuen MitstreiterInnen“ sucht nach Antworten.

Von Martina Dietz

Wer sich als Jugendlicher engagiert, in welcher Art auch immer, der tut das in der Regel nicht ohne Grund. Aber welche Motive sind es, die Jugendliche gerade heute dazu bewegen, sich in Projekten einzubringen, mitzuarbeiten und ihre Welt zu gestalten? Warum der ganze Aufwand? Welche Gründe gibt es also für (i)Partizipation?

All diesen Fragen wollen die Teilnehmer der WerkzeugAG „Motivation und Betreuung von neuen MitstreiterInnen“ der Pfingstakademie 2010 nachgehen. Auf der Suche nach möglichen Antworten werden sie von Lan Böhm, Politologin und Journalistin der Jugendpresse Deutschland, geleitet und unterstützt.

Freibier, nette Leute, innere Überzeugung

Sieben Jugendliche sitzen in einem Stuhlkreis und denken darüber nach, was für sie selbst ausschlaggebend war und zu eigenem Engagement geführt hat. Die kleine Teilnehmergruppe der WerkzeugAG am Pfingstmontag kommt aus München, und alle von ihnen arbeiten im gleichen Projekt, nämlich dem Münchner Schülerbüro, kurz: dem MSB.

Was sich herauskristallisiert: Motivations stiftend können ganz unterschiedliche Dinge sein, die Bandbreite reicht von netten Leuten über ideologische Überzeugungen und Ziele bis hin zu Frauen und Freibier. Letztendlich ist nichts davon schlechter oder besser, sondern führt nur zu lang- oder kurzfristiger Bindung an die Gemeinschaft. Deshalb sollte man bei der Betreuung neuer MitstreiterInnen darauf achten, diese durch eine Entwicklung der innerlichen Überzeugungen für die Sache an sich als festen Teil der Gruppe zu gewinnen.

Steffi Klingel, Daniel Kugellager, Vicki Fahrradtasche: drei Rädchen in einem Projektgetriebe

Nachdem das nun jedem klar geworden ist, versucht Lan Böhm mit der Hilfe vom Bild eines Fahrrads eine Gruppenanalyse. „Wenn unser Verein ein Fahrrad ist, was bin ich dann?“, so die Frage, der sich die Jugendlichen stellen. Dabei fällt auf, dass die Rollen, die ein jeder in der Gemeinschaft einnimmt, nicht statisch sind. Je nach Aktion fühlt sich jemand ganz anderes als „Lenker“ oder „Bremse“. Nach einigen Minuten Diskussion und Überlegen kann sich dann doch ein jeder einem Fahrrad-Organ zuordnen.

Vor diesem Hintergrund trennt sich die Gruppe und versucht zu dritt und viert jeweils festzustellen: Was ist für unsere Gruppe charakteristisch? Wofür stehen wir? Wo sind Problemfelder bzw. „Motivationslöcher“?

Löcher gibt es allem Anschein nach aber nicht nur bezüglich der Motivation, sondern zu diesem Zeitpunkt auch stark ausgeprägt im Magen. Somit beschließen die zukünftigen Motivationsexperten, sich zuerst mit der Füllung dieser knurrenden Löcher zu beschäftigen, und sie machen sich auf den Weg zum bereits auf sie wartenden Mittagessenbuffet.

Struktur entwickeln, hinsetzen und dran arbeiten

Zwischen Spätzle, Salat und Schokopudding zeigt Lan Böhm, dass die AG-Gruppenkonstellation vom ursprünglichen Thema abdriftet. Sie hat deswegen auch ihr Konzept für die WerkzeugAG vom Sonntag geändert und auf diese spezielle Gruppe angepasst. Die Gruppe unterscheidet sich von anderen WerkzeugAG-Gruppen insofern, als dass es sich hierbei um eine eingespielte, in sich geschlossene Gruppe handelt, die viel mehr an bestehenden, inneren Probleme arbeiten sollte und ihre eigene, gruppendynamische Motivation wieder aufbauen und halten müsste.

Lukas und Steffi, 23 und 17 Jahre alt und beide (natürlich) aus München, glauben aber dennoch, dass sie von den gut fünfeinhalb Stunden profitieren können und blicken optimistisch in den Nachmittag. Lukas bemerkt zwar, dass es „nicht so viel theoretischen Input“ gibt, er aber eine Struktur für die Zukunft entwickeln kann, und Steffi befürwortet generell, sich „hinzusetzen und dran zu arbeiten“. Löcher müssen gestopft werden. Zum Glück gibt es für alle weiteren Löcher genügend Kaffee und Kuchen am Nachmittag und ein kulinarisch sicher ebenfalls wunderbares Abschlussfest am Abend. Guten Appetit.

Hier der Leitfaden Motivation von Lan Böhm.

Keine Kommentare

Kommentare als RSS

Einen Kommentar schreiben