König sein für einen Tag
Rauf auf die Bühne, fertig, los: Mach doch mal den König, setz den Hut auf, sei doch mal ein Wahnsinniger. 12 Teilnehmende probierten sich auf der Pfingstakademie im „Improvisationstheater“.
Von Fabian Bittroff und Seren Kivanc
„Bin Ich inspiriert, geht alles gut, doch versuche ich, es richtig zu machen, gibt es ein Desaster“, sagt der Brite Keith Johnstone, Regisseur und Erfinder des modernen Improvisationstheaters. Manchmal sollte man einfach loslegen, zumindest gilt das für das Improtheater. Eine der vielen Werkzeug-AG’s, die in der Pfingstakademie 2010 angeboten werden, ist der Improtheater-Kurs, der von Michael Gössler geleitet wird. Eine AG, die viel bringt – nicht nur für angehende SchauspielerInnen.
Hut auf, gute Leistung
Michael Gössler (28), Dozent und Schauspieler, gibt eine Szene vor. Einer der Teilnehmer des Kurses soll einen „ignoranten“ König spielen. Die anderen Teilnehmer bekommen eine Requisite, in diesem Fall einen Hut, die sie dem König verkaufen, schenken oder eben einfach „andrehen“ sollen.
Der „König“ soll es den anderen TeilnehmerInnen möglichst schwierig machen, ihm den Hut zu geben. Hut auf, lautet die Devise. Der Reihe nach kommen alle Teilnehmer dran. Wenn der König zum Schluss den Hut auf dem Kopf hat, ist das Ziel erreicht.
Der Wahnsinn darf herrschen
Im wannseeFORUM darf an diesem Vormittag der Wahnsinn regieren. Nachdem Gössler eine Einführung über Techniken und Tricks der Schauspielerei gibt, werden Tipps praktisch erprobt. „Beim szenischen Spiel ist es am besten, wenn der Protagonist versucht, seinen Gegenüber durch Improvisation zu überzeugen, indem er ihn in Alltagssituationen versetzt“, macht Michael Gössler deutlich.
So werden an diesem Tage Szenen gespielt, die vorher nicht einstudiert wurden. Im Normalfall nehmen dazu die Schauspieler Themenvorschläge aus dem Publikum an. Im wannseeFORUM hingegen gab Gössler zunächst Anregungen. Aller Anfang ist nunmal schwer.
Übung macht den Schauspieler
Wer übt, wird besser. Nach anfänglichen Überwindungsängsten kam Lockerheit in die Hüfte. Wer König wird, hat im Seminar die Macht und fühlt sich plötzlich wohl in seiner Rolle. Der König soll “paranoid” sein oder “ängstlich”. An einer anderen Stelle soll der Status des Königs „herabgesetzt werden“, so Gössler. Ein Diener redet auf den König wie ein Wahnsinniger ein, ein anderer schneidet Grimassen und mimt den Bekloppten; der König soll abgelenkt werden.
Improvisation ist das oberste Ziel. Jetzt wird es noch komplizierter: Zwei Gruppen bilden sich, in denen die jeweiligen Personen alle gleich sprechen sollen, ohne sich abzusprechen. Was anfangs mit einem einzelnen „Ja“ oder „Nein“ beginnt, geht über komplexere Fragen in komplette Antwortsätze über.
„Spannung, Spiel und Spaß“
Im Gegensatz zu den anderen Seminaren auf der Pfingstakademie, in denen sich TeilnehmerInnen mit der Realität auseinandersetzen, schlüpfen die TeilnehmerInnen im Workshop „Improvisationstheater“ in fremde Rollen. Wo sich dann auf der einen Seite Jugendliche mit ihrem Projekt auf der Pfingstakademie auseinandersetzen und sich in der Öffentlichkeitsarbeit üben, kann hier jeder König sein.
Alles in allem triumphiert „Spannung, Spiel und Spaß“. Sinn dieser Spiele im Workshop war, ohne Vorgabe ein Ziel zu erreichen. So hat die Teilnehmerin Lisa Backes zum Beispiel den Kurs gewählt, um neben den anderen Workshops noch einen nicht so „praxis-lastigen Kurs“ zu belegen. Mit Eigenschaften arbeiten, das Ziel festlegen und durch Improvisation den Weg finden – darum ging es. Es geht auch anders.
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