Reden ist Silber, Diskutieren ist Gold
Links, rechts, islamistisch: Gefährdet ein neuer Extremismus die Demokratie? Das fragten 15 Jugendliche im gleichnamigen Workshop auf der Pfingstakademie. Leider wurde zu wenig diskutiert und der Islam in der Gesellschaft wird noch immer zu oft mit islamistischem Extremismus gleichgesetzt. Von Esther Chase und Seren Kivanc.
Die Tochter eines Imams heiratet einen Araber in Hamburg. Die Männer feiern, die Frauen sitzen abgegrenzt hinter einem Vorhang. Der Imam ist fundamental religiös und verteidigt den heiligen Kampf. „Ungläubige dürften ausgeplündert werden“, sagt er mit lauter Stimme. Extremisten gibt es nicht nur an den politischen Rändern links und rechts, sondern auch unter Muslimen.
„Die Fremden vom Paradies“
Das ist die Szene des Films „Die Fremden vom Paradies“, der auf der Pfingstakademie im wannseeFORUM im Workshop „Links, rechts, islamistisch: Gefährdet ein neuer Extremismus die Demokratie?“ gezeigt wurde. Den Workshop leitete Dr. Silke Wolf vom Verfassungsschutz Brandenburg. Seit den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001 gilt der Islam vielfach als der jüngste Extremismus – der islamistische Extremismus als größte Gefahr westlicher Kulturen und des Weltfriedens.
Was ist Extremismus?
Was aber ist Extremismus? Extremismus wird als Bedrohung des Verfassungsschutzes und demnach auch für den Kernbestand des Grundgesetzes gesehen. Der Politologe Uwe Backes beschreibt ihn als „politische Diskurse, Programme und Ideologien, die sich implizit oder explizit gegen grundlegende Werte und Verfahrensregeln demokratischer Verfassungsstaaten richten.“ Man unterscheidet heute in der Regel zwischen Links-, Rechts- und islamistischem Extremismus.
Links-, Rechts-, islamistischer Extremismus
So lehnt der Rechtsextremismus das „Ethos fundamentaler Menschengleichheit“ ab und zeigt eine höhere Gewaltbereitschaft als zum Beispiel der Linksextremismus, weswegen er größtenteils als gefährlicher eingestuft wird. Vor allem richtet sich der Rechtsextremismus gegen einzelne Menschengruppen und Minderheiten.
Im Gegensatz dazu hat der Linksextremismus häufig keine programmatische, sondern politische Ziele. Der Linksextremismus steht in Deutschland vor allem seit den Terrorgruppen der RAF in den 70-er Jahren im Kreuzfeuer der Kritik. Damals wie heute wird die Überwindung des Kapitalismus groß geschrieben und die Gründung eines neuen Gesellschaftssystems soll erzielt werden.
Islamistischer Extremismus: eine globale Gefahr
In dem Workshop lag der Schwerpunkt auf dem bedrohlichsten Extremismus. Als der bedrohlichste gilt heute der islamistische Extremismus, da er eine globale Gefahr darstellt und sich gegen die gesamte westliche Welt richtet. Nachdem im ersten Teil der Verfassungsschutz Thema war, wurde im zweiten Teil ein Film über die Haupttäter des 11. Septembers und ihre Motive gezeigt. So veranschaulichte der Film, dass die Terroristen des 11. Septembers aus verschiedenen Ländern und sozialen Schichten kamen und doch alle Gemeinsamkeiten hatten: die islamische Religion und das Verlangen nach Anpassung und Anerkennung.
„Jihad“, „Islam“, „Fundamentalismus“
„Jihad“, „Islam“, „Fundamentalismus“ – darüber wurde diskutiert. Das sind auch einige der Schlagwörter, deren Bedeutung in unserer Gesellschaft sofort mit dem Terrorismus der Muslime in Zusammenhang gebracht wird, auch wenn das oft nicht nötig ist. „Jihad“ zum Beispiel bedeutete ursprünglich für die Muslimen, ihrer Religion nachzugehen und die fünf Säulen des Islams einzuhalten. Heutzutage wird dieses Wort oft als „Heiliger Krieg“ definiert, d.h. die Auseinandersetzung mit dem Bösen, also dem- und denjenigen, die die fünf Säulen des Islam nicht einhalten und sich der islamischen Religion widersetzen („Ungläubige“). Deswegen wird es auch in „gläubigen“ Kreisen als die „sechste Säule des Islam“ bezeichnet.
Fundamentalismus wird oft falsch interpretiert
Terrorismus wird in unserer Gesellschaft oft zu unrecht mit dem Islam verbunden. Denn es gehören nur 0,7 Prozent der in Deutschland lebenden Muslimen dem Terrorismus an. Man darf dabei nicht vergessen, dass aus jeder Religion Terroristen hervortreten und dass dies kein Phänomen des Islams ist. Die eigentliche Bedeutung ist der Fundamentalismus, der eine Bedrohung für die gesamte Gesellschaft darstellt.
Mit den Muslimen und nicht nur über sie reden
Im Großen und Ganzem war der Workshop lehrreich, da man etwas detaillierter über eines der wichtigsten Probleme der Welt nachgedacht hat. Eben weil es ein so bedeutendes Thema ist, war es nur schade, dass recht wenig darüber diskutiert wurde. Dafür war der Film einfach zu lang und zu ermattend. Insgesamt muss mehr über Extremismus und Demokratieentwicklung geredet und diskutiert werden. Und vor allem sollte man dann mit den Muslimen und nicht nur über sie reden.
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